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Donnerstag, 18. Juni 2026

Ein Ferngespräch – Szenen aus der Weimarer Republik

Bildnis Dr. E. Müller-Kamp von Käte Hoch CC0 1.0 Universell  
Unter diesem Titel zeigt das Lenbachhaus in München bis zum 27. September 2026 verschiedene Kunstwerke aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bis zum Beginn des Nationalsozialismus. "Ein Ferngespräch" bezieht sich dabei sowohl auf die Darstellung des Telefons in der Kunst als auch darauf, dass heutige Betrachter sozuzsagen ein Ferngespräch mit der Vergangenheit führen. Oder wie es im Ankündigungstext heißt: "Die Ausstellung konzentriert sich auf konkrete Geschichten und greifbare Details, statt große Thesen zur Weimarer Zeit zu formulieren. Zu den verschütteten Möglichkeiten der Weimarer Republik soll so ein Kontakt hergestellt werden – ein Ferngespräch."

Wer mehr über die Kunstwerke erfahren möchte, sei auf die vier ca. einstündigen Audios hingewiesen, in denen die Kuratorin, der Bibliothekar des Museums und ein Wissenschaftler sich über die ausgestellten Werke unterhalten. Man findet die Audios, wenn man auf der Hauptseite herunterscrollt.

Wir haben auf dieser Seite ebenfalls heruntergescroll und noch weiter unten zuerst die Bilder der Ausstellungsräume angeschaut, um einen Eindruck von der Gestaltung zu erhalten ("Installationsansichten"). Sie zeigen ganz gut das etwas ungewöhnliche Ausstellungsdesign. Unter Schlagworten wie "Bubikopf", "Die Zigarette" oder "Sendezeit" werden unterschiedliche Kunstwerke - Gemälde, Grafiken und Plastiken - sowie passende Zitate aus literarischen Werken der Zeit versammelt.

Namengebend für die Ausstellung ist das Gemälde von 

- Käte Hoch, Bildnis Dr. E. Müller-Kamp, 1929. 

Dienstag, 26. Mai 2026

Canaletto & Bellotto

Canaletto, Das Innere der Rotunde von Ranelagh, 1754 (By Canaletto - National Gallery, London - online catalogue., Public Domain, Quelle

Bis zum 6. September 2026 läuft im Kunsthistorischen Museum in Wien noch die Ausstellung über die beiden venezianischen Vedutenmaler Giovanni Antonio Canal (1697 - 1768), genannt Canaletto, und seinen Neffen Bernardo Bellotto (1721 oder 1722 . 1780), der in sehr ähnlicher Weise arbeitete und später ebenfalls den Künstlernamen „Canaletto“ verwendete. Unter der Rubrik "Über die Ausstellung" findet man auf der o.g. Website übrigens ein sehr gutes Digitorial zu beiden Künstlern und ihren Werken!

Vedute (italienisch veduta ‚Ansicht‘, ‚Aussicht‘) nennt man in der bildenden Kunst die Darstellung einer Landschaft oder eines Stadtbildes, die den Anspruch hat die Wirklichkeit abzubilden. Dabei geht es darum, dass die gemalte Gegend in der Realität wieder zu erkennen ist.

Canaletto

Canaletto wurde besonders durch die Bilder seiner Heimatstadt Venedig berühmt, die sehr genau und detailreich gemalt sind. Bekannt ist dabei, dass der Maler als Hilfsmittel eine Camera obscura benutzte, also einen dunklen Raum oder Kasten mit einem Loch. Das Licht, das durch diesen schmalen Durchlass fällt, spiegelt auf der gegenüberliegenden Wand des Kastens die Außenwelt auf dem Kopf stehend ab. Die Veduten von Venedig waren übrigens besonders bei den britischen Aristokraten beliebt, zu deren "Grand Tour", also ihrer Bildungsreise durch Europa, natürlich ein Aufenthalt in der Lagunenstadt gehörte.

Aufgerufen haben wir als erstes

- Canaletto, Der Bacino di San Marco von San Giorgio Maggiore, 1734/44, Wallace Collection

Montag, 1. Dezember 2025

John Singer Sargent - Éblouir Paris (Paris verzaubern)

John Singer Sargent, Portrait of Madame X (Madame Pierre Gautreau),
 1884,Metropolitan Museum of Art, Quelle
 Bis zum 11. Januar 2026 ist in Paris noch die Ausstellung "John Singer Sargent. Éblouir Paris" im Musee Orsay zu sehen, die vorher im Metropolitan Museum of Art in New York gezeigt wurde. (Wer gern Französisch hört, kann hier einen Audioguide zur Ausstellung abrufen. Einen guten Überblick über die Werke, die in der Ausstellung gezeigt werden, sowie einen englischen Audioguide findet man auf den Seiten des Metropolitan Museums. Man muss in der oberen Zeile den Audioguide anklicken.) 

Wir haben uns zuerst mit dem Maler bekannt gemacht: John Singer Sargent (12. Januar 1856 in Florenz -  14. April 1925 in London) galt als der bedeutendste US-amerikanische Porträt-Maler seiner Zeit. Zu seinen Kunden gehörten Angehörige der Oberschicht, überwiegend in Europa, auch in den Vereinigten Staaten von Amerika. Berühmtheit erlangten auch seine Genreszenen, die Wandmalereien für drei Institutionen in Boston und Umgebung sowie das Kriegsgemälde "Gassed" aus dem Jahre 1919. Er zog 1874 nach Paris, wo er sechzehn Jahre lang lebte und in dem berühmtem Pariser Salon ausstellte. 

Beim Vergleich seines 

- fotografischen Porträts (1903)  

mit seinem wenig späteren 

- Selbstbildnis, 1906  

fiel uns auf, wie selbstbewusst der Maler sich inszeniert hat, indem er mit ernstem und unbewegtem Gesicht leicht auf uns als Betrachterinnen herunterblickt.   

Eines seiner ersten großen Bilder, das er auch im Salon ausstellte, war das Werk 

En route pour la pêche, (Unterwegs zum Fisch) 1878

Der Maler hat im Sommer 1877 mehr als zehn Wochen in Cancale an der Küste der Bretagne verbracht. Wir sahen Frauen und Kinder, die zum Meer gehen um dort Muscheln einzusammeln. Und es sieht aus, als ob Singer Sargent mit seiner Staffelei am Meer gesessen hat und mit schnellem Pinselstrich abbildete, was er sah. Aber der Maler hat das Bild zweimal gemalt:

Fishing for Oysters at Cancale (Austerfischen in Canacale) 1878

Donnerstag, 23. Oktober 2025

Radical Harmony: Helene Kröller-Müller's Neo-Impressionists

Ausschnitt aus der Website der National Gallery mit Ankündigung der Ausstellung 

Die Londoner Nationalgalerie zeigt unter dem Titel "Radical Harmony" bis zum 8. Februar 2026 Bilder von Neo-Impressionisten die im Helene Kröller-Müller-Museum in Otterlo in den Niederlanden bewahrt werden. 

Helene Müller und Anton Kröller, um 1888 (Quelle)
Helene Kröller-Müller (1869 - 1939) war eine der ersten großen Kunstmäzeninnen des zwanzigsten Jahrhunderts. Sie wurde in Deutschland als Tochter eines Stahlindustriellen geboren. Mit zweiundzwanzig Jahren heiratete sie Anton Kröller (1862–1941). Sein Vater war Teilhaber in der Firma ihres Vaters und leitete das Rotterdamer Büro. Das junge Paar zog nach Den Haag, wo sie ab 1907 sie bei Hendricus Petrus Bremmer, einem renommierten Kunsthistoriker, Unterricht nahm. Er wurde ihr wichtigster Berater in Sachen Kunst und gab auch wesentliche Impulse beim Aufbau ihrer Sammlung. 1909 kaufte sie drei Werke van Goghs an. Von da ab bis zur ihrem Lebensende sammelte das "umfassendste Ensemble neo-impressionistischer Gemälde der Welt". Sie kaufte Bilder bei Händlern in den Niederlanden, Belgien, Deutschland und Frankreich, und auch direkt in den Ateliers der Künstler, wie zum Beispiel bei Paul Signac. 1928 errichtete sie gemeinsam mit ihrem Ehemann die Kröller-Müller-Stiftung, der anschließend die gesamte Kunstsammlung übertragen wurde. 1938 wurde in Otterlo bei Arnhem das Kröller-Müller Museum durch den niederländischen Staat und die Stiftung De Hoge Veluwe erbaut.

Das erste Bild unserer Stunde war eines der drei Bilder von Van Gogh, die Helene Kröller-Müller 1909 kaufte, also zu einem Zeitpunkt als sich kaum jemand für seine Werke interessierte:

- Vincent van Gogh, Stillleben mit Flasche und Zitrone, 1888 (hier eine zweite Abbildung mit weniger kräftigen Farben)

Samstag, 4. Oktober 2025

European Realities

Leider ist die Ausstellung "European Realities" im Museum Gunzenhauser in der diesjährigen Kulturhauptstadt Chemnitz schon am 10. August zuende gegangen. Das heißt aber nicht, dass man die Bilder nicht noch im Netz finden könnte. Da wir schon einmal vor nicht allzu langer Zeit die Neue Sachlichkeit in Deutschland als Kunstströmung thematisiert haben, war es besonders interessant in der Chemnitzer Ausstellung die Realismusbewegungen der 1920er und 1930er Jahre noch einmal im größeren Rahmen der europäischen Kunst zu betrachten. 

Die Bilder der Ausstellung erzählen von Armut und Elend, vom wirtschaftlichen Aufschwung und von kultureller Blüte, von wissenschaftlichem und technischem Fortschritt, von Großstadt und Nachtleben, Emanzipation und Diversität. Ihre Themengebiete sind: Künstler:innen im Selbstporträt; Großstadt und Nachtleben; Menschenbilder; Emanzipation und die Neue Frau; Neue Stillleben; Sport und Körperkultur; Arbeit in Industrie und Wissenschaft; Armut und Verfall.

Nach dem Ersten Weltkrieg konnten Frauen in Deutschland erstmals offiziell an den Akademien Kunst studieren. Die neuen Künstlerinnen inszenierten sich in ihren Selbstbildnissen gern selbstbewusst mit Kurzhaarschnitt als "Neue Frau". Betrachtet haben wir 

-    Kate Diehn-Bitt, Selbstbildnis als Malerin, 1935.   

Dienstag, 10. Juni 2025

Flämische Feste des 16. und 17. Jahrhunderts

In Lille, der Kulturhauptstadt des Jahres 2004, wird bis zum 1. September im  Palais des Beaux-Arts die Ausstellung "Fetes et celebrations flamande, Brueghel, Rubens, Jordaens" (Flämische Feste des 16. und 17. Jahrhunderts, Brueghel, Rubens, Jordaens) gezeigt. 

Jacob Jordaens, Der König trinkt (Quelle )

Im Begleittext heißt es dazu, dass Feste mehreren Zwecken dienen: Sie schaffen ein Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft bzw. erhalten es aufrecht, sind also soziale Rituale, aber sie können auch ein Zeitpunkt sein, an dem Spannungen in der Gemeinschaft abgebaut werden und positive Erlebnisse das Leben leichter machen. Feste unterbrechen nicht nur die Monotonie der Arbeit, sondern helfen auch dabei, den Ansturm von Unglück und Krankheit zu ertragen, von dem die Menschen in dieser Zeit immer wieder schwer heimgesucht wurden. 

Freitag, 14. März 2025

Illusion: Traum – Identität – Wirklichkeit


Ausschnitt aus der Website der Hamburger Kunsthalle zu der Ausstellung: Illusion

In der Hamburger Kunsthalle läuft noch bis zum 06.04.2025 die im Titel genannte Ausstellung. Dazu gibt es auch eine empfehlenswerte Audioführung auf der App der Kunsthalle, die man aus den Appstores kostenlos herunterladen kann. 

Illusion wird als falsche Wahrnehmung der Wirklichkeit definiert. Aber der Ausstellung geht es um mehr als um "Augentäuschung". Sie offenbart sich, so heißt es auf der Website, in der (illusionistischen) Selbstliebe des Narziss genauso wie in architektonischen Raumillusionen, im Spiel des Verbergens und Enthüllens, in Spiegelungen, in der Bedeutung des Fensters zur Welt sowie in Darstellungen von Visionen und Träumen. Wobei die Ausstellungsmacherinnen die Frage geleitet hat, ob man seinen Augen immer trauen kann. 

Aus Mangel an Zeit haben wir allerdings für alle Arten der Illusionen Beispiele aufgerufen. Angefangen haben wir mit dem Thema der täuschend echten Imitation der Natur durch die Malerei und der schönen Geschichte von Zeuxis und Parrhasius, die wir schon vor längerer Zeit bei der Betrachtung des Vorhangmotivs in der Kunst in diesem Blog erwähnt haben. 

Wir haben dafür die Bild- und Textseite aus der "Historischen Chronika" von Joh. Ludov. Gottfridi aufgerufen:

-    Matthäus Merian d.Ä, Zeuxis und Parrhasius   Kupfer von Matthäus Merian d. Ä. (1593–1650) 

Donnerstag, 19. Dezember 2024

Die Neue Sachlichkeit

Ausschnitt aus der Austtellungswebsite der Kunsthalle Mannheim

In der Kunsthalle Mannheim läuft seit dem 22.11.2024 (und noch bis zum 09.03.2025) die Ausstellung "Die Neue Sachlichkeit - Ein Jahrhundertjubiläum". Anlass ist die Erinnerung an die erste Ausstellung in Mannheim, in der die zeitgenössische Kunst vor hundert Jahren diesen damals ganz neuen Namen erhielt. Wer sich etwas intensiver damit beschäftigen will, sei auf die kleine Broschüre zur Ausstellung verwiesen.

Bei Wikipedia ist unter diesem Stichwort zu lesen, dass die 1920er-Jahre von einer politischen und gesellschaftlichen Zeitenwende nach dem Ende des Ersten Weltkriegs geprägt waren. Während in den frühen 1920er-Jahren Armut und Arbeitslosigkeit herrschten, erlebte die Weimarer Republik ab 1923 einen starken wirtschaftlichen Aufschwung, der 1929 mit dem Börsencrash ein Ende fand. Innerhalb der Neuen Sachlichkeit, der vorherrschenden Kunstströmung dieses Jahrzehnts, waren die sozialen Missstände, aber auch die politische und gesellschaftliche Situation des Landes, das sich im Umbruch befand, wichtige Themen. Dabei stand die Abbildung der nüchternen Wirklichkeit im Vordergrund.

Gustav Friedrich Hartlaub, Leiter der Kunsthalle Mannheim, fasste 1925 unter dem Ausstellungstitel „Neue Sachlichkeit. Deutsche Malerei seit dem Expressionismus“ die führenden Künstler dieser Zeit -einschließlich des eine Sonderrolle einnehmenden Max Beckmann - in einer Wanderausstellung zusammen. Im Sinne einer Desillusionierung waren viele von ihnen wieder zum Gegenstand, zum Alltagsobjekt, zu einer klaren Bildkonzeption und einer objektivierenden Darstellungsweise zurückgekehrt, nachdem die Künstlerinnen des Expressionismus auf den freien Umgang mit Farbe und Form, die Verwendung holzschnittartiger Formen und eine Vereinfachung auf markante Formelemente, sowie die Auflösung der traditionellen Perspektive gesetzt hatten.

Wir haben uns zuerst ein paar Bilder einer weiteren Sonderausstellung zum Thema angesehen, die im "Marchivum" zu sehen sind. Sie heißt "Wie Tag und Nacht - Leben in den Goldenen Zwanzigern". Dabei waren wir vom Foto "Girl Tanz" besonders angetan, aber wir waren auch erstaunt über die "beengten Wohnverhältnisse" in Mannheim in dieser Zeit.

Montag, 18. November 2024

Psyche im Spiegel. Die Liebe besiegt alles.

Crespi, Amore e psiche, 1707 (Quelle)

In Modena wird in der Kunstgalerie der BPER Banca die Ausstellung "Psiche allo specchio. Omnia vincit amor"  (Psyche im Spiegel. Die Liebe besiegt alles) gezeigt. Sie läuft seit dem 13. September 2024 noch bis zum 9. Februar 2025 und wurde im Rahmen des "Festivals Philosophie" eröffnet, das zu Beginn der Ausstellung in Modena, Carpi und Sassuolo stattgefunden hat und der „Seele“ gewidmet war. 

Einen guten Überblick über die Ausstellungsräume und die ausgestellten Bilder findet man hier, wenn man auf dem ersten Bild der Website auf den Button "Alle Fotos anzeigen" klickt. Es gibt auch einen ausführlichen Führer durch die Ausstellung, allerdings auf Italienisch.

Montag, 4. November 2024

Brasil! Brasil! - Aufbruch in die Moderne

Plakat der Ausstellung in Bern (Quelle)

"Brasil! Brasil! Aufbruch in die Moderne" heißt die Ausstellung, die bis zum 5.Januar 2025 im Zentrum Paul Klee in Bern zu sehen ist. Und weil ich hierzulande noch nie mit Bildern von brasilianischen Künstlern konfrontiert worden bin, hat das natürlich meine Neugier geweckt. Zum Glück hat das Zentrum Paul Klee zwei sehr informative Guides im Internet veröffentlicht, die zusammengenommen einen guten Überblick über die zehn Künstlerinnen und Künstler und ihre Werke ermöglichen, die ausgestellt werden. 

Der Digital Guide enthält eine Chronologie über die Entwicklung Brasiliens zwischen 1822, als ein Militärputsch zur Proklamation der Republik führte, und 2022, dem Jahr, in dem das hundertjährige Jubiläum der ersten modernen Kunstausstellung in Brasilien, der "Semana de arte moderna", begangen wurde. Am Ende dieser Informationen steht ein Saalplan mit den Namen der Ausgestellten und ihren Biografien. Der Audioguide stellt dann die ausgestellten Werke einzeln vor.

Sonntag, 14. April 2024

Das antike Rom in Bildern


Giovanni Paolo Pannini, Roma antica, um 1754/57 (Stuttgart Staatsgalerie, weltweit gemeinfrei)

Seit langem rufe ich morgens gern anstelle der neuesten Horrornachrichten die App "DailyArt" auf, auf die Ute mich einmal aufmerksam gemacht hat. Dort gibt es jeden Tag ein neues Bild, das kurz besprochen wird. Nicht alle Bilder gefallen mir - wie sollten sie auch! Aber als das Bild von

- Giovanni Paolo Pannini, Roma antica, um 1754/57 

gezeigt wurde, habe ich neugierig angefangen zu schauen, was ich darauf wiedererkennen konnte. Und das haben wir dann beim Kunstsurfen fortgeführt. 

Zuerst haben wir einen Blick auf den Maler geworfen, der 1691 in Piacenza geboren wurde und 1765 in Rom starb. Er arbeitete als Dekorateur von römischen Palästen und wurde auch für seine römischen Stadtansichten (Veduten) bekannt, wobei er sich besonders mit den Ruinen und Skulpturen der Antike beschäftigte. Aber er malte auch Porträts und römische Feste und Plätze. Das Bild "Roma antica" gehört zu vier Gemälden, die der Herzog de Choiseul in Auftrag gegeben hatte. Der Herzog war von 1753 bis 1757 als französischer Botschafter im Vatikan und wollte die Bilder zur Erinnerung an seinen Aufenthalt in der heiligen Stadt Rom nutzen. Pannini hat auch ein Bild von diesem Aufenthalt gemalt:

- Pannini, Die Ausfahrt des Duc de Choiseul auf dem Petersplatz in Rom, 1754

Wir haben geschaut, was wir wiedererkennen: also natürlich den Petersdom mit seinen Kolonnaden; bei dem Obelisken waren wir uns nicht ganz sicher, tatsächlich steht er ebenso wie die beiden Brunnen noch heute an der Stelle, die man im Bild sehen kann (siehe dieses Panorama von 2006). Aber natürlich sieht man dort keine Ausfahrt von sechsspännigen Kutschen mehr, die von einer Menge Schaulustiger bewundert werden. Aber wo steckt der Herzog? Wir erkannten ihn in der zweiten Kutsche von rechts, der mit den schwarzen Pferden. Der Mann mit der Schärpe über der Brust, das muss doch der Herzog sein oder? Was für eine Pracht dieser Mann um sich verbreitet. Wir haben zehn Kutschen gezählt, die ersten alle mit sechs, die hinteren dann nur noch mit zwei Pferden - schon damals zählten die Pferdestärken! Und wer bewundert die Ausfahrt? Die meisten Figuren im Vordergrund tragen bürgerliche Kleidung, ein paar Kirchenmänner sind auch dabei, aber wenn man genauer hinsieht, sieht man auch - auf den Steinen lagernd - ein paar einfache Leute, die keine Schuhe haben. 

Sonntag, 21. Januar 2024

Caspar David Friedrich

 

Weißer Sand, dunkles Meer und schwarze Wolken  (Foto U.Krope)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Warum steht dieses Bild hier? Der Grund ist das Bild "Mönch am Meer" von Caspar David Friedrich, dessen 250. Geburtstag in diesem Jahr in der Kunstwelt groß gefeiert wird. Ganz unten komme ich noch darauf. 

Zum Jubiläumsjahr gibt es ein eigenes Internetportal, auf dem man eine Vielzahl von Friedrichs Bildern sowie Informationen zu den drei großen Ausstellungen in Hamburg, Berlin und Dresden findet. Weitere Ausstellungen finden z.B. im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald statt, wo der Künstler am 5. September 1774 geboren wurde. Gestorben ist er am 7. Mai 1840 in Dresden. Laut Wikipedia gilt der Maler "als einer der bedeutendsten Künstler der deutschen Romantik", der "in revolutionärer Weise" mit den Traditionen der Landschaftsmalerei von Barock und Klassizismus gebrochen hat. Besonders angesprochen wird dort die "Sinnoffenheit" seiner Bilder, die viele verschiedene Interpretationen zulässst.

Sonntag, 19. November 2023

Frans Hals

Frans Hals, Porträt von Catharina Hooft und ihrer Amme (Quelle)
Bis zum 21. Januar 2024 läuft in der "National Gallery" in London eine Ausstellung über den niederländischen Maler Frans Hals. In acht Räumen sind ungefähr fünfzig Werke zu sehen. Unter ihnen befindet sich - zum ersten Mal als Leihgabe - sein berühmtestes Bild "Der lachende Kavalier" (1624), das in der Wallace Collection in London aufbewahrt wird. Für diese Ausstellung hat die National Gallery mit dem Rijksmuseum in Amsterdam und der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin zusammengearbeitet. Außerdem hat das Frans Hals Museum in Haarlem mitgewirkt.

Frans Hals (geb. zwischen 1580 und 1585 in Antwerpen - gest. 26. August 1666 in Haarlem) gilt als einer der bedeutendsten Porträtmaler. Er war Sohn eines Antwerpener Tuchhändlers und lernte sein Handwerk wahrscheinlich in Haarlem, wo er 1610 in die Malergilde aufgenommen wurde. Obwohl er schon zu Lebzeiten berühmt war, litt er sein Leben lang an Geldmangel. Von seinen zehn Kindern wurden fünf Söhne ebenfalls Maler.

Wir haben als erstes das Porträt 

- Der lachende Kavalier, 1624 (Achtung: Auf dieser Seite muss man herunterscrollen, nach dem Headerbild kommt ein interessantes englisches Video zu dem Bild und darunter dann das Bild, das sich vergrößern lässt!)

Mittwoch, 18. Oktober 2023

Secessionen. Klimt, Stuck, Liebermann

Plakat der 7. Internationalen Kunstausstellung München,1897 (Quelle)

In der Alten Nationalgalerie in Berlin wurde bis zum 22.10. eine Ausstellung zum Thema der Secessionen und ihrer berühmten Protagonisten in Deutschland und Österreich gezeigt, mit denen wir uns in unserem Online-Gespräch beschäftigt haben. Die Ausstellung wird dann vom 22. Mai bis 13. Oktober 2024 im Wien Museum gezeigt werden. Wie es im Pressetext heißt, beleuchtet die Ausstellung vor allem die Gemeinsamkeiten dieser umwälzenden Entwicklungen im deutschsprachigen Raum. Zu sehen sind etwa 220 Arbeiten von rund 80 Künstlerinnen und Künstlern, die in dreizehn thematischen Räumen ausgestellt werden. 

Erste Frage ist natürlich, was versteht man in der Kunstgeschichte unter Secessionen? Ich habe die Frage einfach mal in ChatGPT gestellt. Hier Teile der Antwort:

"Die Secession in der Kunst war eine wichtige Kunstbewegung, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Europa, insbesondere in Wien, entstand. Der Begriff 'Secessionsbewegung' leitet sich von lateinischen "secedere" ab, was so viel wie 'sich abspalten' oder 'sich trennen' bedeutet. ... Die Künstler der Secession suchten nach neuen Ausdrucksformen und wandten sich gegen den traditionellen Kunstbetrieb ihrer Zeit. Sie betonten die Notwendigkeit der Erneuerung in der Kunst und lehnten die Einschränkungen der akademischen Kunstschulen und Institutionen ab. Die Künstler der Secession setzten sich für die Freiheit der künstlerischen Gestaltung und die Förderung des Jugendstils (Art Nouveau) ein. ... Insgesamt kann man sagen, dass die Secession in der Kunst eine künstlerische Bewegung war, die die kreative Freiheit und die Erneuerung in der Kunst förderte und dabei gegen etablierte Normen und Konventionen des Kunstbetriebs rebellierte."

Mittwoch, 20. September 2023

Pablo Picasso und Guernica

Zerstörungen in Guernica, 1937 (Von Bundesarchiv, Bild 183-H25224 / Autor/-in unbekannt / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Quelle)

Pablo Picasso (1881 - 1973) ist vor fünfzig Jahren gestorben und aus diesem Anlass gibt es in der westlichen Welt einen wahren Ausstellungsmarathon zu seinem Werk. Wer sich einen Überblick über die Ausstellungen verschaffen und mal in die eine oder andere hineinschnuppern will sei auf die deutsche Seite von "kunstplaza" oder auf das Programm auf der englischsprachigen Seite „Picasso Celebration 1973-2023“ verwiesen.

Wir haben uns aus diesem Anlaß das berühmteste Bild dieses Künstlers vorgenommen:

- Pablo Picasso, Guernica, 1937, 

dessen schiere Größe von 3,49m Höhe und 7,77m Breite schon beeindruckend ist. Wer sich ausführlich mit diesem Bild beschäftigen will, kann dafür die Wikipediaseite "Guernica (Bild)" nutzen. Wir haben uns gefragt, was wir selbst auf dem Bild sehen: 

Als erstes erkannten wir das Pferd in der Mitte, das von hinten zu sehen ist und seinen Kopf dem Betrachter zuwendet - mit aufgerissenen Maul und einer Zunge wie ein spitzer Dorn. Dann sahen wir links davon am Boden Körperteile liegen - einen Arm, dessen Hand ein abgebrochenes Schwert hält; einen Kopf, der abgeschnitten zu sein scheint; einen Arm mit offener nach links ausgestreckter Hand; dazwischen Menschenbeine und den Huf und den Schwanz eines Pferdes. Das Ganze wird von oben von einer Glühbirne beleuchtet, die in einem Auge zu leuchten scheint, aus dem Zacken - oder Flammen? - nach unten strahlen. Dazu kommt von der rechten Bildseite noch Licht von einem ausgestreckten Arm herbei, der eine Kerze hält. 

Dienstag, 7. Februar 2023

Perugino - ein italienischer Maler der Renaissance

Auschnitt aus: Perugino, Die Schlüsselübergabe (gemeinfrei, Quelle)

Der Maler Pietro Vannucci (um 1445/1448 - 1523) - er wird, da er in Perugia lebte, Pietro Perugino genannt - war in seiner Zeit und noch lange danach in Italien hochberühmt. Er lernte bei Piero della Francesca und Andrea del Verrocchio, bei dem u.a. auch Leonardo da Vinci in die Lehre ging, und hatte als Lehrer Einfluss auf Raffaels Frühwerk. 

Dieses Jahr wird in Peruginos Heimat Umbrien sein 500. Todesjahr mit einer Reihe von Veranstaltungen und einer interessanten digitalen Ausstellung begangen.

Der Begriff Renaissance bezeichnet die Kulturepoche, in der die Lebenswelt sich vom Mittelalter zur Neuzeit wandelt. Das Wort bedeutet Wiedergeburt und steht für Wiederentdeckung und -belebung der Kultur der griechischen und römischen Antike. Sie wurde in dieser Zeit zum Maßstab für die Werke von Gelehrten und Künstlern, die sich erstmals intensiv mit den antiken Texten, Bauten und Kunstwerken auseinandersetzten. Damit veränderte sich in der Kunst die Darstellung des Menschen und des Natur- und Architektur-Raumes, während in der Architektur antike Vorbilder wie z.B. die Säulenstellung wieder aufgegriffen wurden. Die Epochenbezeichnung Renaissance entstand allerdings erst im 19. Jahrhundert.

Das früheste Werk, das Perugino zugeschrieben wird, sind zwei Bilder mit Szenen aus dem Leben des hl. Bernard (Tempera auf Holz, evtl. zusammen mit Pinturicchio) von 1473, die heute in der Galleria Nazionale dell’Umbria aufbewahrt werden. Genauer angesehen haben wir uns das Bild

- San Bernardino lässt ein totgeborenes Kind wieder auferstehen (Achtung: man sieht auf dieser Website zuerst nur eine schwache Abbildung und muss herunterscrollen zu "Documentazione Fotografica". Wenn man darauf klickt, öffnet sich eine Bilderreihe. Das letzte Bild hat die beste vollständige Wiedergabe, daneben gibt es mehrere Detailaufnahmen. Man kann sie durch Anklicken vergrößern.)

Samstag, 12. November 2022

Zerrissene Moderne - Die Basler Ankäufe "entarteter" Kunst

Franz Marc, Tierschicksale (Quelle)

Im Kunstmuseum Basel läuft bis zum 19. Februar 2023 die Ausstellung "Zerrissene Moderne", in der die Ankäufe thematisiert und in ihr historisches Umfeld eingeordnet werden, die der damalige Direktor aus dem Fundus der von den Nationalsozialisten als "entartet" in den Museen beschlagnahmten Werke der Moderne getätigt hat. 

Auf der Website der Ausstellung sind dazu zwei sehr informative Videos zu finden. Der eine informiert unter dem Titel "Ein neues Kunstmuseum ohne Moderne" (https://www.youtube.com/watch?v=3SvGzyzHb5k&t=10s) über den Bau und die Geschichte des Basler Museums. Im zweiten führt die Kuratorin Eva Reifert kompetent und lebendig durch die gesamte Ausstellung (https://www.youtube.com/watch?v=LazUsItSGQg - man kann die Youtube-Links kopieren und in die Browsersuchzeile eingeben oder aber auf der Website des Museums die Videos ansehen!) 

Zum Hintergrund: In Basel war 1936 ein neues Kunstmuseum eröffnet worden, aber die zeitgenössische Kunst war dort noch umstritten und kaum vertreten. Als ein Jahr später in Deutschland die an die Macht gekommenen Nationalsozialisten Werke der modernen Kunst aussortieren lassen, fragt der Basel Direktor an, ob diese Werke verkäuflich sind. Das NS-Regime beschließt "international verwertbare" Werke ins Ausland zu verkaufen um Devisen zu erhalten. 1939 wählt der Basler Museumsdirektor Georg Schmidt in Berlin aus diesen Werken Bilder und Skulpturen aus, die er gern ankaufen würde. Dafür erhält er einen Sonderkredit, mit dem er 21 Werke der europäischen Moderne erwirbt.

Wir haben uns zuerst zwei Werke angesehen, die das Basler Museum zur Zeit seines Neubaus im Jahr 1936 schon besaß und die im ersten Saal der Ausstellung gezeigt werden, zuerst  

-  Louis Moilliet, Im Zirkus [3. Fassung], 1914–1915  (Wenn man auf diesen Link klickt kommt man auf eine Seite mit dem Titel "Kontrovers? Ausgewählte Werke der Sammlung", das Bild ist das zweite in der senkrechten Bildleiste, klickt man darauf, wird des vergrößert).

Dienstag, 19. Juli 2022

"Paul Gauguin - Why are you angry?"

Paul Gauguin, Am Strand (Quelle)
In der Nationalgalerie Berlin waren bis zum 10. Juli 2022 Bilder von Paul Gauguin zu sehen, die er auf der Südseeinsel Tahiti gemalt hat. Ihnen wurden zeitgenössische Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus dem Südseeraum gegenübergestellt. Die Ausstellung beruhte auf einer engen Kooperation mit der Ny Carlsberg Glyptotek in Kopenhagen, die eine umfangreiche Gauguin-Sammlung verwahrt. 

Man muss dazu wissen, dass die bekanntesten Gemälde von Gauguin in den Jahren zwischen 1891 und 1901 auf der Südseeinsel Tahiti entstanden, wo der 1848 ­in Paris geborene Künstler im Jahr 1903 auch starb. Der Maler verließ 1891 Paris. Zu diesem Zeitpunkt lebten seine Frau und seine fünf Kinder schon in Dänemark, dem Heimatland seiner Frau. 

Dienstag, 21. Juni 2022

Matisse - Das rote Atelier

Blick in die Ausstellung "Matisse: The Red Studio" April 23, 2022–June 26, 2022. IN2492.2. Photograph by Jonathan Muzikar Quelle.
Bis zum 10. September 2022 läuft im New Yorker Museum of Modern Art (Moma) eine Ausstellung, die um das Bild "Das rote Atelier" von Henri Matisse herumgruppiert ist.

Das Bild ist 

- hier 

noch einmal im Rahmen der digitalen Sammlung des Museums zu sehen und es gibt dazu auch ein  

- Audio
auf der Ausstellungsseite. (Um das Audio auch zu hören und nicht nur den Text zu lesen, muss man auf den scharzen Balken am unteren Rand der Seite gehen und dort auf den Pfeil klicken, siehe Bild)

Das Gemälde zeigt das Atelier des Malers in Issyles-Moulineaux im Oktober/November 1911, das man auch von einem 

- Foto  

des Studios kennt. Wir haben Foto und Gemälde verglichen und danach gesucht, welche Bilder und Einrichtungsgegenstände wir auf dem Gemälde wiederentdecken konnten. Das war eine ganze Menge, aber ich will hier dem Entdeckergeist meiner Leserinnen und Leser nicht zuvorkommen; also selbst schauen (oder das englische Audio anhören, bzw. sich den Text mit google Übersetzer oder deepl übersetzen lassen)!

Dienstag, 30. November 2021

Musée Fin de siècle in Brüssel

Alfons Mucha, La Natur - By Chatsam - Own work, CC BY-SA 3.0,
Da ich gerade in Brüssel war, haben wir dieses Mal das "Musée Fin de siècle" in dieser Stadt besucht. Es gehört zu den königlichen Museen der Schönen Künste von Belgien. Ausgestellt sind Kunstwerke vom Ende des 19. bis zum Beginn des 20. Jahrhundert. Das Museum wurde 2013 eingeweiht und ersetzte damals den Bereich der Kunst der Moderne. Die Geschichte der Sammlungen aber reicht bis ins Jahr 1868 zurück, als die "Société libre des beaux-arts" in Brüssel gegründet wurde, geht bis 1914, dem Beginn des Ersten Weltkriegs. Die Sammlung des Museums umfasst Werke der meisten der wichtigsten belgischen Künstler aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, darunter auch Künstler, die der Gruppe der XX angehörten. Aber auch einige der wichtigsten ausländischen Künstler dieser Jahre sind vertreten. Außrrdem werden mehrere bildhauerische Werke, sowie Arbeiten von Architekten und Goldschmieden, darunter besonders von Künstlern des Jugendstils gezeigt. Das Museum besitzt die Gillion-Crowet-Sammlung, die bedeutende Jugendstilmöbel sowie Werke von Louis Majorelle, Alphonse Mucha, Gustav-Adolf Mossa, Fernand Khnopff, Victor Horta, Carlos Schwabe, Émile Fabry und anderen umfasst.
 
Angefangen haben wir, wie im Verlauf der Ausstellung, die chronologisch aufgebaut ist, mit Werken des Realismus, der als vorherrschende Strömung in Kunst und Literatur in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gilt und auf die tiefgreifenden politischen und sozialen Veränderungen der Zeit reagiert hat. Die erwähnte "Société Libre des Beaux-Arts" verschrieb sich so der Idee der „Freiheit, Aufrichtigkeit und des Realismus“. Die Künstler dieser Vereinigung legten den Schwerpunkt auf die zeitgenössische Umgebung und die Natur, also in ihren Augen die "wahre" Welt und wandten sich damit von der vorherrschen Historienmalerei ab. 

Wir schauten als erstes an:

- Charles Hermans, A l'aube (Im Morgengrauen), 1875. Brüssel 

Die Beschreibung des Bildes zeigte uns schnell, dass zwei Personengruppen sich in diesem Bild diametral gegenüberstehen: der - zuerst als Bräutigam titulierte, aber natürlich nur in der zeitgenössischen Mode gekleidete - betrunkene Herr mit Zylinder, an dem zwei aufwendig gekleidete junge Frauen hängen, die ihn in verschiedene Richtungen zerren, auf der einen Seite und die Gruppe der schlecht gekleideten Arbeiter und Handwerker, die müde und demütig wirken, auf der anderen. Im Schatten der Tür und zugleich im Hintergrund scheint ein weiteres Paar die armen Leute wenigstens wahrzunehmen, während die Gruppe der "Reichen und Schönen" im Vordergrund ganz und gar mit sich selbst beschäftigt ist. Den Abgrund, der beide Gruppen trennt, kann man wohl kaum deutlicher darstellen, wurde uns klar. Und natürlich war auch die gesellschaftliche Spaltung unserer Zeit ein Thema bei diesem Bild.