Samstag, 25. April 2026

Kinder, Kinder! Zwischen Repräsentation und Wirklichkeit

Meister der Thennschen Kinderbildnisse: Ruprecht Thenn, 1516  Quelle Wikipedia
Wir waren noch ganz knapp vor Schluss in der Ausstellung "KINDER, KINDER! Zwischen Repräsentation und Wirklichkeit ", die vom 28. November bis zum 6. April im Bucerius Kunst Forum zu sehen war. Tatsächlich konnte ich alle Bilder und Plastiken vor Ort besichtigen. Beim Kunstsurfen mussten wir uns allerdings auf einige wenige Bilder beschränken. 

Im Einführungstext zur Ausstellung heißt es: "Kaum ein Thema ist so facettenreich wie dieses. In unserer Ausstellung kann man entdecken, wie sich die Darstellung von Kindern in der Kunst vom 16. Jahrhundert bis heute verändert hat – vom tradierten Madonnenbild bis zur spontanen Fotoaufnahme, vom Thronfolger in Rüstung bis zum unbeschwerten Spielkameraden. In den Werken spiegelt sich zugleich der Wandel wider, den die Haltung der Erwachsenen gegenüber Kindern und Kindheit im Lauf der Jahrhunderte erfahren hat."

Die erste Abteilung der Ausstellung ist der Kleinfamilie, also Mutter, Vater, Kind  gewidmet. Den Anfang macht die Darstellung von Mutter und Kind, die in früheren Zeiten in unendlichen Variationen Maria und das Jesuskind zeigt. Dabei geht es auch um die Beziehung von Mutter und Kind, die ganz unterschiedlich gesehen worden ist. Wir haben uns das Bild angeschaut 

    - Hendrick Bloemaert, Maria mit Kind, ca. 1635/40

und uns gefragt, woran man erkennen kann, dass dieses Bild Maria mit dem Jesuskind wiedergibt und nicht eine ganz gewöhnliche junge Frau, die ihrem Kind die Brust gibt. Sie wirkt ganz versunken im Augenblick und scheint sich dem Gefühl hinzugeben, das von dem nuckelnden Kind an ihrer Brust ausgeht. Ohne Heiligenschein und mit einer schlichten seidenen Haube über den Haaren wirkt sie wie eine Frau aus dem Volk mit einem blonden pausbäckigen Baby. Doch dann haben wir in der Vergrößerung die zarten Strahlen entdeckt, die von dem Kopf des Kindes ausgehen; ein deutlicher Hinweis, dass hier Jesus gemeint ist.

Samstag, 28. März 2026

Małgorzata Mirga-Tas - Eine alternative Geschichte

Vor kurzem ist die Ausstellung "Małgorzata Mirga-Tas - Eine alternative Geschichte" (22. 11. 2025 — 15. 3. 2026) im Kunstmuseum Wolfsburg zu Ende gegangen. Berühmt geworden ist die Künstlerin durch ihre Gestaltung des Polnischen Pavillons im Rahmen der Biennale in Venedig im Jahr 2022. Dafür hat sie einen großformatigen 12-teiligen Zyklus mit dem Titel "Re-enchanting the World" (Wieder-Verzauberung der Welt) geschaffen. Es war der erste Einzelauftritt einer Künstlerin aus der Roma-Gemeinschaft in einem Länderpavillon. Die Wolfsburger Ausstellung wurde gemeinsam mit dem Kunstmuseum Luzern entwickelt und wurde zudem im Henie Onstad Kunstsenter bei Oslo gezeigt. 

März, Fresko im Palazzo Schifanoia (Von Nicola Quirico - Eigenes Werk, 
Małgorzata Mirga-Tas wurde 1978 in Zakopane in Polen geboren und lebt bis heute mit ihrer erweiterten Familie in Czarna Góra im Süden Polens. Ihre Werke entstehen in einem kollektiven Prozess. Zusammen mit anderen Frauen aus dem Verwandten- und Freundeskreis werden gebrauchte Textilien zerschnitten und zu - teilweise sehr großen - figuralen Stoffbildern zusammengenäht. Leinwandteile bilden die Köpfe der Figuren. Gesichter und Gliedmaßen werden durch Kohlezeichnungen sichtbar gemacht.

Mirga-Tas lässt sich gern von historischen Gemälden oder Stichen inspirieren, verwendet aber auch Fotografien aus den Alben der Familie oder von Freundinnen und Freunden als Vorlagen. Wer mehr zu ihrer Arbeitsweise erfahren will, sei auf dieses Video hingewiesen.

Wir haben tatsächlich nur eines der großen Stoffbilder aus dem Werk "Re-enchanting the World" genauer angesehen und nach den Vorbildern geforscht. Der Titel zitiert ein Standardwerk der Autorin Silvia Federici, in dem sie aus feministischer Perspektive die Zerstörung von Gemeinschaften durch den aufkommenden Kapitalismus schildert.

    - Małgorzata Mirga-Tas, Re-enchanting the World: March, 2022 (Zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Montag, 16. Februar 2026

Georges de La Tour - Vom Schatten zum Licht

Georges de La Tour, Frau beim Flohfangen (gemeinfrei)
Bis zum 22. Februar dieses Jahres sind noch im Musée Jacquemart-André in Paris die Bilder von Georges de La Tour zu sehen, der von 1593 bis 1652 in Lothringen lebte. Sein bisher bekanntes Gesamtwerk besteht nur aus rund 40 Gemälden. Der erste Abschnitt der Ausstellung untersucht die Ursprünge seines Stils, der besonders von der Malerei Caravaggios beeinflusst war. Wir haben als estes sein Bild 

-    Frau beim Flohfangen (1625-1650) 

aufgerufen. Und da ich den Titel des Bildes nicht genannt hatte, haben alle gerätselt, was die Frau eigentlich tut. Dabei war der erste Eindruck, dass es sich um ein sehr modernes Bild handelt; ein Eindruck, der besonders durch die glatten Körperoberflächen der Frau hervorgerufen worden ist. Der zweite Blick galt dem Licht, das von einer Kerze ausstrahlt und die ganz in ihrem Tun versunkene Frau seitlich beleuchtet. Dann erst fiel die Handhaltung auf. Es sieht so aus, als ob sie gerade einen Floh zwischen ihren Daumennägeln zerdrückt. Insgesamt hat uns dieses Bild sowohl durch die ungewöhnliche Themenwahl wie seine Gestaltung sehr beeindruckt. Hat der Maler festgehalten, was er gerade in einer Schlafkammer sah?