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Donnerstag, 18. Juni 2026

Ein Ferngespräch – Szenen aus der Weimarer Republik

Bildnis Dr. E. Müller-Kamp von Käte Hoch CC0 1.0 Universell  
Unter diesem Titel zeigt das Lenbachhaus in München bis zum 27. September 2026 verschiedene Kunstwerke aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bis zum Beginn des Nationalsozialismus. "Ein Ferngespräch" bezieht sich dabei sowohl auf die Darstellung des Telefons in der Kunst als auch darauf, dass heutige Betrachter sozuzsagen ein Ferngespräch mit der Vergangenheit führen. Oder wie es im Ankündigungstext heißt: "Die Ausstellung konzentriert sich auf konkrete Geschichten und greifbare Details, statt große Thesen zur Weimarer Zeit zu formulieren. Zu den verschütteten Möglichkeiten der Weimarer Republik soll so ein Kontakt hergestellt werden – ein Ferngespräch."

Wer mehr über die Kunstwerke erfahren möchte, sei auf die vier ca. einstündigen Audios hingewiesen, in denen die Kuratorin, der Bibliothekar des Museums und ein Wissenschaftler sich über die ausgestellten Werke unterhalten. Man findet die Audios, wenn man auf der Hauptseite herunterscrollt.

Wir haben auf dieser Seite ebenfalls heruntergescroll und noch weiter unten zuerst die Bilder der Ausstellungsräume angeschaut, um einen Eindruck von der Gestaltung zu erhalten ("Installationsansichten"). Sie zeigen ganz gut das etwas ungewöhnliche Ausstellungsdesign. Unter Schlagworten wie "Bubikopf", "Die Zigarette" oder "Sendezeit" werden unterschiedliche Kunstwerke - Gemälde, Grafiken und Plastiken - sowie passende Zitate aus literarischen Werken der Zeit versammelt.

Namengebend für die Ausstellung ist das Gemälde von 

- Käte Hoch, Bildnis Dr. E. Müller-Kamp, 1929. 

Freitag, 14. März 2025

Illusion: Traum – Identität – Wirklichkeit


Ausschnitt aus der Website der Hamburger Kunsthalle zu der Ausstellung: Illusion

In der Hamburger Kunsthalle läuft noch bis zum 06.04.2025 die im Titel genannte Ausstellung. Dazu gibt es auch eine empfehlenswerte Audioführung auf der App der Kunsthalle, die man aus den Appstores kostenlos herunterladen kann. 

Illusion wird als falsche Wahrnehmung der Wirklichkeit definiert. Aber der Ausstellung geht es um mehr als um "Augentäuschung". Sie offenbart sich, so heißt es auf der Website, in der (illusionistischen) Selbstliebe des Narziss genauso wie in architektonischen Raumillusionen, im Spiel des Verbergens und Enthüllens, in Spiegelungen, in der Bedeutung des Fensters zur Welt sowie in Darstellungen von Visionen und Träumen. Wobei die Ausstellungsmacherinnen die Frage geleitet hat, ob man seinen Augen immer trauen kann. 

Aus Mangel an Zeit haben wir allerdings für alle Arten der Illusionen Beispiele aufgerufen. Angefangen haben wir mit dem Thema der täuschend echten Imitation der Natur durch die Malerei und der schönen Geschichte von Zeuxis und Parrhasius, die wir schon vor längerer Zeit bei der Betrachtung des Vorhangmotivs in der Kunst in diesem Blog erwähnt haben. 

Wir haben dafür die Bild- und Textseite aus der "Historischen Chronika" von Joh. Ludov. Gottfridi aufgerufen:

-    Matthäus Merian d.Ä, Zeuxis und Parrhasius   Kupfer von Matthäus Merian d. Ä. (1593–1650) 

Montag, 18. November 2024

Psyche im Spiegel. Die Liebe besiegt alles.

Crespi, Amore e psiche, 1707 (Quelle)

In Modena wird in der Kunstgalerie der BPER Banca die Ausstellung "Psiche allo specchio. Omnia vincit amor"  (Psyche im Spiegel. Die Liebe besiegt alles) gezeigt. Sie läuft seit dem 13. September 2024 noch bis zum 9. Februar 2025 und wurde im Rahmen des "Festivals Philosophie" eröffnet, das zu Beginn der Ausstellung in Modena, Carpi und Sassuolo stattgefunden hat und der „Seele“ gewidmet war. 

Einen guten Überblick über die Ausstellungsräume und die ausgestellten Bilder findet man hier, wenn man auf dem ersten Bild der Website auf den Button "Alle Fotos anzeigen" klickt. Es gibt auch einen ausführlichen Führer durch die Ausstellung, allerdings auf Italienisch.

Sonntag, 14. April 2024

Das antike Rom in Bildern


Giovanni Paolo Pannini, Roma antica, um 1754/57 (Stuttgart Staatsgalerie, weltweit gemeinfrei)

Seit langem rufe ich morgens gern anstelle der neuesten Horrornachrichten die App "DailyArt" auf, auf die Ute mich einmal aufmerksam gemacht hat. Dort gibt es jeden Tag ein neues Bild, das kurz besprochen wird. Nicht alle Bilder gefallen mir - wie sollten sie auch! Aber als das Bild von

- Giovanni Paolo Pannini, Roma antica, um 1754/57 

gezeigt wurde, habe ich neugierig angefangen zu schauen, was ich darauf wiedererkennen konnte. Und das haben wir dann beim Kunstsurfen fortgeführt. 

Zuerst haben wir einen Blick auf den Maler geworfen, der 1691 in Piacenza geboren wurde und 1765 in Rom starb. Er arbeitete als Dekorateur von römischen Palästen und wurde auch für seine römischen Stadtansichten (Veduten) bekannt, wobei er sich besonders mit den Ruinen und Skulpturen der Antike beschäftigte. Aber er malte auch Porträts und römische Feste und Plätze. Das Bild "Roma antica" gehört zu vier Gemälden, die der Herzog de Choiseul in Auftrag gegeben hatte. Der Herzog war von 1753 bis 1757 als französischer Botschafter im Vatikan und wollte die Bilder zur Erinnerung an seinen Aufenthalt in der heiligen Stadt Rom nutzen. Pannini hat auch ein Bild von diesem Aufenthalt gemalt:

- Pannini, Die Ausfahrt des Duc de Choiseul auf dem Petersplatz in Rom, 1754

Wir haben geschaut, was wir wiedererkennen: also natürlich den Petersdom mit seinen Kolonnaden; bei dem Obelisken waren wir uns nicht ganz sicher, tatsächlich steht er ebenso wie die beiden Brunnen noch heute an der Stelle, die man im Bild sehen kann (siehe dieses Panorama von 2006). Aber natürlich sieht man dort keine Ausfahrt von sechsspännigen Kutschen mehr, die von einer Menge Schaulustiger bewundert werden. Aber wo steckt der Herzog? Wir erkannten ihn in der zweiten Kutsche von rechts, der mit den schwarzen Pferden. Der Mann mit der Schärpe über der Brust, das muss doch der Herzog sein oder? Was für eine Pracht dieser Mann um sich verbreitet. Wir haben zehn Kutschen gezählt, die ersten alle mit sechs, die hinteren dann nur noch mit zwei Pferden - schon damals zählten die Pferdestärken! Und wer bewundert die Ausfahrt? Die meisten Figuren im Vordergrund tragen bürgerliche Kleidung, ein paar Kirchenmänner sind auch dabei, aber wenn man genauer hinsieht, sieht man auch - auf den Steinen lagernd - ein paar einfache Leute, die keine Schuhe haben. 

Dienstag, 10. Januar 2023

Kunst aus Benin

Beutestücke aus Benin, 1897 By Unknown author - British Museum Af,A79.13, Public Domain, Quelle

Die bronzenen Kunstwerke aus Benin waren Ende 2022 allgemeines Pressethema, als die Außenministerin und die Kulturstaatsministerin aus Deutschland nach Nigeria reisten, um dort erstmals solche Bronzen aus deutschen Museen an ihren Ursprungsort zurück zu bringen (siehe hier). 

Schon vorher wurde mit "digitalbenin" eine neue internationale Plattform online gestellt, auf der alle Objekte, historische Fotografien und reichhaltiges Dokumentationsmaterial aus Sammlungen in aller Welt vereint werden, die zu dieser ursprünglich königlichen Repräsentationskunst gehören. Diese Plattform verbindet die digitale Dokumentation der translozierten Objekte mit mündlichen Überlieferungen, Objektforschung, historischem Kontext, einem grundlegenden Katalog der Edo-Sprache, Herkunftsangaben, einer Karte des Benin-Königreichs und Museumssammlungen weltweit. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Objekten, die im Februar 1897 von britischen Truppen aus dem Königreich Benin (heute Edo State, Nigeria) geplündert und in der unmittelbaren Folgezeit gewinnbringend verkauft wurden. 

Wir haben uns als erstes ein Foto angesehen, auf dem der Raub der Kunstwerke dokumentiert ist:

- Foto von britischen Soldaten bei der Plünderung des niedergebrannten Oba-Palasts in Benin City im Februar 1897. Auf dem Fußboden liegen die Bronzen ausgebreitet. 

Die auf dem Foto am Boden liegenden Bronzeplatten waren ursprünglich an den Pfeilern und Wänden des Königspalastes angebracht. Das ehemlige Königreich Benin ist heute ein Teil von Nigeria (hier eine Karte). Die Stadt Benin darf man sich wohl weitgehend so vorstellen, wie sie ein englischer Offizier 1897 skizziert hat, das heißt als weitgehend rechtwinkelige Anlage mit langen Mauern, die große Höfe bilden.

Es wurden aber nicht nur Bronzen geraubt, sondern auch andere Kunstwerke. Ausgewählt habe ich als erstes eine 

- hölzerne Tür (mit den Symbolen links oben im Bild kann man vergrößern und verkleinern oder zum Vollbildmodus wechseln).

Montag, 14. Juni 2021

Haarlem Renaissance

Meta Warwick Fuller, Emancipation, Gipsstatue (Quelle)

Naturkatastrophen im Süden Amerikas haben 1915/1916 eine große Zahl von schwarzen Arbeitern und Arbeiterinnen arbeitslos gemacht und, da nach dem Ersten Weltkrieg weniger Menschen aus Europa nach Amerika auswanderten, wurden diese Menschen in den Norden abgeworben, wo man Arbeitskräfte brauchte. Bis 1920 kamen so rund 300.000 Afroamerikaner. Viele von ihnen siedelten sich in Haarlem an. Sie bildeten dort eine neue schwarze Mittelschicht, innerhalb der eine Blütezeit für die schwarze Dichtung, Musik und Tanz, die sogenannte Haarlem Renaissance entstand. 

Man verbindet diese Erneuerungsbewegung heute noch mit den Namen wie Louis Armstrong, Duke Ellington und Bessie Smith, oft begleitet von Shows z.B. mit Steptänzern wie Bill “Bojangles” Robinson. 

Doch auch bildende Künstler und Künstlerinnen leisteten ihren Beitrag. Allerdings wurden schwarze Künstler - und noch viel mehr ihre weiblichen Gegenparts - damals von Kunstschulen, Galerien und Museen ausgeschlossen und hatten es deutlich schwerer als ihre weißen Kollegen von ihren Werken zu leben. Noch 1968 fand die erste Würdigung der schwarzen Kultur im Harlem der 1920er und 30er Jahre in der Ausstellung "Harlem on My Mind: Cultural Capital of Black America, 1900-1968" ein sehr geteiltes Echo: Das Metropolitan Museum of Art in New York zeigte keine Kunstwerke von Schwarzen in der Ausstellung und sowohl dort, als auch im zugehörigen Katalog waren rassistische und antisemitische Passagen zu lesen. 

Als berühmtester bildender Künstler der Harlem Renaissance gilt Aaron Douglas (1899-1979), der oft als "Vater der schwarzen amerikanischen Kunst" bezeichnet wird. Wir haben uns sein Bild 

- Aaron Douglas, Tag des jüngsten Gerichts (1939)

angesehen. Dieses Ölgemälde entstand mehr als zehn Jahre nachdem das Bild als Buchillustration veröffentlicht worden war. Es gehört zu acht Bildern, die Douglas für die Gedichtsammlung "Gottes Posaunen: Sieben Schwarze Predigten in Versen" von James Weldon Johnson schuf. 

Sonntag, 10. Mai 2020

Kunst oder Kitsch? - Grabmalkunst um 1900

Engel der Trauer, Protestantischer Friedhof, Rom (Foto Leisner)
Schon seit Jahrzehnten beschäftige ich mich mit Grabmalkunst. Als jetzt alle Museen geschlossen waren und auch keine Führungen auf Friedhöfen stattfinden durften, habe ich aus einem schon vor längerer Zeit erschienenen Text aus meinem gedruckten Führer über den Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg ein dreiteiliges Video mit Bildern gemacht und in meinem Blog Friedhofsfreunde veröffentlicht (inzwischen ist es auch auf der Website des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhof e.V. zu finden). Von Marlit kam der Vorschlag, dieses Thema auch beim Kunstsurfen aufzugreifen und so geht es hier einmal um jene Kunstwerke - oder ist es vielleicht doch Kitsch? -, die im 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts in großer Zahl auf Friedhöfen aufgestellt worden sind und die man kostenlos und unter freiem Himmel besichtigen kann...