Freitag, 4. Dezember 2020

Kulata Tjuta (viele Speere) - Kunst von australischen Ureinwohnern

 Im Museum der schönen Künste in Rennes (Bretagne) ist bis zum 3. Januar 2021 die Ausstellung "Kulata tjuta" zu sehen, in der Werke australischer Ureinwohner gezeigt werden, die man sonst in Europa kaum findet. Der Name leitet sich von einer Initiative ab, die das kulturelle Erbe dadurch erhalten will, dass Aṉangu-Älteste jungen Männern beibringen Speere zu machen. 34 zeitgnössische Künstlerinnen und Künstler sind in der Ausstellung vertreten.

Eigentlich sollte eine Installation von Speeren mit demselben Namen das Zentrum der Ausstellung bilden, aber die Pandemie änderte die Pläne der australischen Galerie, so dass in Rennes jetzt hauptsächlich Bilder zu sehen sind. Wir aber konnten uns natürlich diese Installation im Internet ansehen:

- Kulata Tjuta /Speerinstallation (Holz, Spinifexhars, Kängeruh-Sehne und DVD mit Geräuschen) (Wenn man auf das Bild klickt, bekommt man eine vergrößerbare Ansicht!)

Sonntag, 25. Oktober 2020

Thierry Mugler – Couturissime

Ein Vorbild für die Entwürfe Thierry Muglers: Heckflosse des Cadillac 1001 designed von Harley Earl 1959 (Von Christer Johansson- Eigenes Werk CC BY-SA 2.5, Link) 

Wäre Marlit nicht so begeistert gewesen, hätten wir uns wahrscheinlich nicht mit Thierry Mugler beschäftigt! Ich bin gerade kein besonders großer Fan von Pop-Musik und so hatte ich Muglers Kostümentwürfe für Pop-Stars bisher überhaupt nicht im Blick gehabt. Mode und Parfüm sind auch nicht gerade meine Hauptthemen. Aber Marlits Begeisterung war ansteckend. So gingen wir auf virtuelle Entdeckungstour im der Münchener Kunsthalle, wo die Ausstellung, wo die Ausstellung "Thierry Mugler – Couturissime" bis zum 28. Februar 2021 ihre letzte Station hat. Denn zusammengestellt wurde sie im Montreal Museum of Fine Arts (2.3. bis 8.9.2019) und gezeigt wurde sie auch schon in Rotterdam (13.10. 2019 - 8.3.2020). Ausgestellt sind mehr als 150 Kleidungsstücke, die zwischen 1977 und 2014 entstanden, sowie bisher noch umveröffentlichte Archivdokumente und Zeichnungen und ungefähr hundert Modephotographien von bekannten Fotografen wie Helmut Newton und anderen. (Es gibt übrigen das Mode-"Haus Mugler", wo man sein Parfüm und anderes bestellen kann!) Und ich persönlich fühle mich dadurch durchaus bereichert, dass ich diesen Modedesigner näher kennen gelernt habe.

Und wer ist Thierry Mugler?

Er wurde 1948 in Straßburg geboren, schloss sich 1962 dem Ballett der Opéra national du Rhin an und ging mit der Kompanie sechs Jahre lang auf Tour. Besucht die École supérieure des arts décoratifs in Straßburg und beginnt Kleider zu entwerfen. Ab 1987 lebt er in Paris, zuerst als Tänzer, dann als Modedesigner. Dort kreiert hat er mit seinem neuen Stil - Maxicoats und extrem breitschultrige Silhouetten - sofort Erfolg. Er bereist die Welt und entwirft Kollektionen für Damen, Herren und Kinder.1973 entwirft er die erste Kollektion für sein eigenes Label „Café de Paris“ und gründet die Firma Thierry Mugler. Mit der vollständig inszenierten, spektakulären Modenschau erreicht er Massen von Zuschauern. Bald werden seine Kreationen werden von Stars wie David Bowie in Fernsehsendungen getragen. Er beginnt Videos zu drehen; entwirft Kostüme für Musical, Oper und Theater; veröffentlicht seine eigenen Photographien und kreiert mit dem Duft Angel ein Parfüm, as zu den zehn meistverkauften Parfums der Welt zählt.

1998 Mugler zieht er nach New York. 2002 zieht sich aus der Modewelt zurück, um sich gänzlich der Regie von Bühnenproduktionen zu widmen. Er entwirft die Bühnenkostüme für die Welttournee "I Am..." der amerikanischen Popsängerin Beyoncé. 2014 geht er nach Berlin. Und jetzt also die große Ausstellung!

Zuerst hat uns Marlit eine ganze Reihe seiner Kostüme gezeigt, die sie direkt in der Ausstellung fotografiert hat. Dann sind wir zu einigen Bilder übergegangen, die ich vorher ausgesucht hatte.

Die Ausstellung ist wie ein Theaterstück in Akten (Räumen) konzipiert, die von 1 bis VIII reichen.

Akt I ist mit "FUTURISTISCHE COUTURE & FEMBOTS" betitelt. 

Donnerstag, 17. September 2020

Yayoi Kusama

Yayoi Kusam, Infinity room, 2015
Yayoi Kusama, Infinity Room, 2015 (Quelle:Von Pablo Trincado from Santiago de Chile, Chile - Yayoi Kusama, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40172477)

Vielen wird der Name Yayoi Kusama (geboren am 22. März 1929 in Matsumoto, Präfektur Nagano, Japan) erst einmal nichts sagen. Aber nachdem ich mich intensiver mit ihrem Werk auseinander gesetzt habe, finde ich, dass man diese japanische Künstlerin kennen lernen muss. Also habe ich sie den Kunstsurfern vorgestellt.

Kusama ist in Japan aufgewachsen und zwar unter einem strengen und autoritären Erziehungsstil. Zwischen 1958 und 1972 lebte sie die meiste Zeit in New York. Dort entstanden ihre bekanntesten Kunstwerke, Aktionen und Happenings. Ihr Markenzeichen sind die "Polka Dots", farbige Punkte, die sie auf Leinwände, Skulpturen und Menschen malt. Am 27. September 2017 eröffnete sie in Tokyo ihr eigenes Museum. Kusama hatte schon als Kind Halluzinationen und beschreibt das so:

„Ich sah auf das rote Muster der Tischdecke, als ich aufblickte, bedeckte dasselbe rote Muster die Decke, die Fenster und die Wände, und schließlich den ganzen Raum, meinen Körper und das Universum. Ich begann mich selbst aufzulösen, und fand mich in der Unbegrenztheit von nicht endender Zeit und in der Absolutheit der Fläche wieder. Ich reduzierte mich auf ein absolutes Nichts.“ – Yayoi Kusama (Zitat nach Wikipedia)

Als Erwachsene war sie dann in psychiatrischer Behandlung und ging offen mit ihrer Erkrankung um, die auch aus einer Reihe von Phobien bestand. Darunter war die Angst vor Penissen, die dazu führte, dass sie eine Serie von weichen Skulpturen schuf, die mit Penissen aus Stoff überzogen sind:

- Accumulation No. 1, 1962, New York, Museum of Modern Art

Der Stoffsessel ist mit Dutzenden von handgenähten, ausgestopften und bemalten Vorsprüngen besetzt, die Kusama als Phallus bezeichnete. In den 1960er Jahren in New York waren Kritiker durchaus schockiert über diese "sexualisierte Transformation eines gewöhnlichen Haushaltsobjekts durch eine Künstlerin". Die Kunstsurfer haben dazu eher etwas müde gelächelt hatte ich den Eindruck. Jedenfalls gingen wir rasch zu dem nächsten Werk aus dieser Serie über:

- Traveling Life, 1964, Luisiana Museum of Modern Art, Humlebaek

Die Grundform der Leiter ist nicht zu übersehen und die vielen "Penisse" auch nicht. Woraus sie gemacht sind, war eine Frage. Wahrscheinlich Stoffhüllen mit Watte oder etwas Ähnlichem ausgefüllt, war meine Vermutung. Den Titel "Reiseleben" zu interpretieren ist schon schwieriger: Geht es um den Aufstieg, die Karrierreleiter? Und was bedeuten dann die hochhackigen Schuhe (mit denen man so eine Leiter schlecht hoch kommt!) Und die schiere Übermacht des Symbols der Männlichkeit? Sind sie, wie es auf der Seite des Luisiana Museums zu lesen ist: "Metaphorisch wohl ein nicht zu übersehener Hinweis auf die Machtverteilung auch im Kunst-Business und die herrschende Geschlechterordnung - und das nicht nur im traditionsbewussten Japan."?

Ab Mitte der 1960er setzt Kusama Fotografien ein, um ihre Arbeiten bekannt zu machen. Dafür posiert sie auch selbst und geht damit einen Schritt hin zu Happenings, Events und Performances, in denen sie Grenzen zwischen, Kunst, Mensch und Umwelt auflöst:

- Self Obliteration (Selbst-Auslöschung), um 1966, Fotocollage

Wir haben überlegt, von wo aus die Künstlerin bei diesem Bild aufgenommen worden ist. Liegt sie wirklich auf dem gemusterten Boden oder ist ihre Figur später hinzugefügt worden. Sind die Punkte Schattenspiele oder doch eher ausgestanzte Flecken aus Silberfolie? Löscht sich die Künstlerin gerade selbst aus oder setzt sie sich nicht vielmehr attraktiv in Szene?

Schon ein Jahr zuvor hatte sie Spiegel als Thema entdeckt und den ersten 

Montag, 17. August 2020

Max Beckmann - weiblich - männlich

Max Beckmann, Perseus-Triptychon (Quelle: Von Max Beckmann - https://www.flickr.com/photos/wm_archiv/38078142485/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=98576802)

 
Die Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle "Max Beckmann - weiblich-männlich" wird vor Ort erst am 25. September 2020 eröffnet und läuft dann bis zum 24. Januar 2021, aber man kann sie trotzdem schon besuchen! Wie das geht? Es gibt dazu die virtuelle Ausstellung in der digitalen Kunsthalle des ZDF. Dort kann man mit dem Cursor sozusagen wie in realen Ausstellungsräumen herumspazieren, die Bilder heranzoomen und sich Informationstexte durchlesen bzw. anhören. Eine perfekte Vorbereitung für den realen Ausstellungsbesuch!

Natürlich haben wir uns vorne weg ein wenig mit dem Leben von Max Beckmann beschäftigt, der 1884 in Leipzig geboren wurde und 1950 in New York starb. Er war ein vielseitiger Künstker, dessen Gemälde und Grafiken besonders durch seinen markanten "figurenstarken" Stil bekannt geworden sind. Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern hat er  Gegenstandslosigkeit, die nach dem Ersten Weltkrieg aktuell wurde, niemals viel abgewinnen können. Seine Beziehung zu Frauen wird in der Ausstellung schon im Titel besonders thematisiert. An erster Stelle stehen seine beiden Ehefrauen: Minna Tube lernte er 1903 auf der Kunsthochschule in Weimar kennen, in der sie zu einer der ersten Schülerinnen gehörte. Sie heirateten drei Jahre später und bekamen einen Sohn. Weil ihr Mann es wollte, hörte Minna auf zu malen und wurde eine erfolgreiche Sängerin. 

Montag, 20. Juli 2020

Raffael – Macht der Bilder

Raffael, La Fornarina Porträt einer jungen fast unbekleideten Frau
Raffael, La Fornarina
(Di Raphael - Galleria Nazionale
d'Arte Antica, Pubblico dominio,
https://commons.wikimedia.
org/w/index.php?curid=76749175)

2020 ist Raffael-Jahr! Ostern 1520, also vor fünfhundert Jahren, starb der schon damals hochberühmte Maler in Rom und wurde dort im Pantheon begraben. Er war am 6. April 1483 in Urbino geboren worden. 1491 verlor er seine Mutter, drei Jahre später den Vater. Die junge Waise trat in Perugia als Schüler in die Werkstatt von Pietro Vanucci (genannt Perugino) ein. Bereits mit 17 Jahren firmierte er in einem Vertrag als Meister seines Fachs. Ab 1504 hielt er sich zweimal in Florenz auf, wo zu dieser Zeit die berühmten Maler Michelangelo und Leonardo da Vinci arbeiteten. Vier Jahre später ging er nach Rom. Dort verbreitete sich sein Ruhm immer mehr. Zwischen 1509 und 1517 entstanden seine berühmtesten Werke: die Gemälde in den päpstlichen Gemächern (Stanzen) im Apostolischen Palast. Daneben entwarf er die Kartons für die Apostelteppiche in der Sixtinischen Kapelle. 1512 schuf er auch sein berühmtestes Madonnenbild, die Sixtinische Madonna für den Hochaltar der Klosterkirche San Sisto in Piacenza. Zwei Jahre später wurde er der Nachfolger Bramantes als Architekt und Bauleiter der neuen Peterskirche.

In diesem Jahr nun gibt es eine Reihe von Ausstellungen. Für deutsche Besucher empfiehlt sich die Schau "Raffael - Macht der Bilder. Die Tapisserien und ihre Wirkung", eine Sonderausstellung in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden vom 06.06.—30.08.2020. Vom 5. März bis zum 2. Juni war zudem in Rom in den "Scuderie del Quirinale" die Ausstellung "Raffaello. 1510-1483" zu sehen, die man weiterhin virtuell besuchen kann. Auf der Website Raffaello oltre la mostra finden sich eine Reihe von Videos (auf Italienisch) über die Ausstellung. Weitere Hinweise auf Ausstellungen sind hier zu finden.

Montag, 8. Juni 2020

Fantastische Frauen

Titelbild der Ausstellung "Fantastische Frauen"
Screenshot: Ankündigung der Ausstellung "Fantastische Frauen" auf der Website der Schirn, Frankfurt

Die Frankfurter Kunsthalle Schirn schätze ich ganz besonders deswegen, weil man dort zum einen spannende Ausstellungen und zum anderen zusätzlich tolle digitale Vermittlungsangebote macht. Hier also erst mal ein großes Dankeschön an - in diesem Falle - die Kuratorin und an die Museumspädagog*innen der Ausstellung "Fantastische Frauen"!

Die surrealistischen Bilder von Frauen in der Ausstellung "Fantastische Frauen" haben wir uns beim letzten Kunstsurfen angeschaut. Die Ausstellung läuft noch bis zum 5. Juli und man kann sie jetzt auch wieder persönlich besuchen. Wer sich online mit den Bildern intensiver befassen will als wir in einer Stunde, sei auf das Digitorial der Kunsthalle hingewiesen. Und wer dann noch mehr erfahren will: Es gibt noch Einiges im Netz anzusehen, so zum Beispiel die App mit dem ausführlichen Audioguide, einen Videorundgang durch die Ausstellung mit der Kuratorin Ingrid Pfeiffer oder eine Reihe von Artikeln im Schirn Magazin wie z.B. „Not your doll“ zur Rolle der Frau bei den Surrealisten. 

Online haben wir mit dem Foto von

- Claude Cahun (1894-1954) , A very curious spirit, 1927

Sonntag, 10. Mai 2020

Kunst oder Kitsch? - Grabmalkunst um 1900

Engel der Trauer, Protestantischer Friedhof, Rom (Foto Leisner)
Schon seit Jahrzehnten beschäftige ich mich mit Grabmalkunst. Als jetzt alle Museen geschlossen waren und auch keine Führungen auf Friedhöfen stattfinden durften, habe ich aus einem schon vor längerer Zeit erschienenen Text aus meinem gedruckten Führer über den Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg ein dreiteiliges Video mit Bildern gemacht und in meinem Blog Friedhofsfreunde veröffentlicht (inzwischen ist es auch auf der Website des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhof e.V. zu finden). Von Marlit kam der Vorschlag, dieses Thema auch beim Kunstsurfen aufzugreifen und so geht es hier einmal um jene Kunstwerke - oder ist es vielleicht doch Kitsch? -, die im 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts in großer Zahl auf Friedhöfen aufgestellt worden sind und die man kostenlos und unter freiem Himmel besichtigen kann...