Montag, 10. Juni 2019

Lust der Täuschung

Cornelis Gijsbrechts, Rückseite eines Gemäldes, 1670
 - www.smk.dk und soeg.smk.dk, Gemeinfrei,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19356224 
Diesmal haben wir eine Ausstellung besucht, die zwei von unserer Gruppe tatsächlich in München gesehen haben. Sie waren so begeistert, dass ich fand, wir sollten sie wenigstens virtuell auch besuchen. Es geht um "Lust der Täuschung. Von antiker Kunst bis zur Virtual Reality", die noch bis zum 30.06.2019 im Ludwig Forum in Aachen zu sehen ist, nachdem sie zuvor in München gezeigt wurde.

Als Auftakt haben wir uns erstmal ein paar optische Täuschungen angeschaut und zwar die Zollner Illusion, die Illusion der unterschiedlichen Helligkeit, die Täuschung in den Größenverhältnissen, die Täuschung durch den Blickwinkel, durch den ein Objekt ganz verschieden aussehen kann wie der "Hidden Shaker Chair", den man kaufen kann, und schließlich die Anamorphose - in einem Bild, das uns schon früher einmal beschäftigt hat (Johannes hatte damals den Totenkopf zwischen den beiden Gesandten sichtbar gemacht!).

Samstag, 18. Mai 2019

100 Jahre Bauhaus

Siedhof-Buscher, Schiffsbauspiel, 1923, Ausschnitt aus
Foto von chinnian - DSCF2582, CC BY-SA 2.0,
Das letzte Kunstsurfen war eine echte Gemeinschaftsaktion: Nicht nur waren wir Senioren wie immer über Skype verbunden, sondern wir hatten dazu Besuch einer 12-jährigen Enkelin und ihrer Freundin, die bei ihrer Oma Ferientage verlebten. Das hat allen Spaß gemacht und zwischendurch neue Ideen in unsere Betrachtungen hineingebracht!

Besucht haben wir das neue Bauhausmuseum in Weimar. Hingewiesen sei darauf, dass in diesem Jubiläumsjahr auch anderswo Ausstellungen zum Thema Bauhaus stattfinden und, dass in Weimar ein großes Jubiläumsprogramm läuft. Außerdem kann man sich die App Bauhaus+ herunterladen und die Werke aus dieser ungewöhnlichen Kunstschule virtuell kennen lernen (so man denn über ein neues Smartphone verfügt, auf älteren Betriebssystemen läuft die App nicht :-((.)

Montag, 22. April 2019

Die Nackten in der Renaissance


Der voyeuristische Blick auf die oder den Nackten hat im letzten Jahr für reichlich Diskussionsstoff gesorgt, als die Manchester Art Gallery das Bild 

"Hylas und die Nymphen" von John W. Waterhouse (1896) 

aus seiner Dauerausstellung abhängte und die Besucher mit einer Leerstelle und der Aufforderung zu Kommentaren konfrontierte. Aber was ist eigentlich der voyeuristische Blick, der da so umstritten ist und teilweise bös geschmäht wird? Können nur Männer Voyeure sein oder auch Frauen? Ist die Freude einen schönen Körper anzusehen schon Voyeurismus? 

Bronzino, Heiliger Sebastian (Quelle)
Bei Wikipedia steht: "Voyeurismus ist eine Form der Sexualität, bei der ein Voyeurist (umgangssprachlich auch Spanner genannt) durch das Betrachten von seiner Präferenz entsprechenden, sich entkleidenden oder nackten Menschen oder durch das Beobachten sexueller Handlungen sexuell erregt wird. Im engeren Sinn bezeichnet der Begriff das heimliche Beobachten einer unwissenden Person, im weiteren Sinn jegliche Form der Lust am Betrachten. Das Gegenstück zum Voyeurismus ist der Exhibitionismus."

Aber wer wird heute noch sexuell erregt beim Betrachten von Hylas und den Nymphen? Uns kamen die nackten Frauenkörper jedenfalls sehr gleichartig und ein wenig langweilig vor...

Wie man die Nacktheit früher gesehen hat, zeigt jetzt die Ausstellung "The Renaissance Nude" in der Royal Academy in London, die das eigentliche Ziel unserer letzten virtuellen Kunstreise war.  


Freitag, 8. Februar 2019

Utrecht, Caravaggio und Europa

Bis zum 24. März 2019 im Centraal Museum in Utrecht und danach vom 17. April 2019 bis zum  21. Juli 2019 in der Alten Pinakothek in München wird die Ausstellung "Utrecht, Caravaggio und Europa" gezeigt, die - wie auf der Website des Museums zu lesen - "Rom von 1600 - 1630 nach Utrecht" bringt.

Caravaggio, Knabe von Eidechse gebissen
Quelle, Caravaggio [Public domain]
Da stellt sich natürlich als erstes die Frage, wer war Caravaggio und warum gibt es eine Beziehung ausgerecht nach Utrecht? Dazu muss man wissen, dass im frühen 17. Jahrhundert viele europäische Künstler nach Rom kamen, um zu lernen und um die Gunst von Auftraggebern zu erhalten, die wichtige Ausstattungsprojekte zu vergeben hatten. Nicht weniger als 2.700 Künstler waren in der Stadt registriert, davon kamen 572 - teilweise berühmte - ausländische Maler, Bildhauer und Architekten aus dem Ausland. Zu ihnen gehörten auch drei flämische Maler: Dirck van Baburen, Hendrick ter Brugghen und Gerard van Honthorst. Sie waren zwar nicht nur gekommen um die Bilder von Caravaggio zu sehen, doch galten diese in ihrer besonderen Malweise bei den Zeitgenossen als außerordentlich. Der Kunsttheoretiker und -historiograf Karel van Mander empfahl angehenden Künstlern sogar von diesem Maler zu lernen (wer jetzt holländisch kann, kann hier die Aussagen von van Mander nachlesen).

Was also hat Caravaggio gemalt? Wir haben eines seiner frühen Bilder angeschaut:


Donnerstag, 20. Dezember 2018

Der Heilige Nikolaus

Ambrogio Lorenzetti, Der Heilige Nikolaus
(By Ambrogio Lorenzetti, CC BY-SA 3.0,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30190396
Das letzte Kunstsurfen in diesem Jahr galt - passend zur Adventszeit - dem Heiligen Nikolaus. Und auf die Frage in die Runde, was vom Nikolaus so bekannt ist, kamen dann auch gleich die Hinweise auf die Geschichte von den drei Jungfrauen und dem Ort Myra. Was steckt also dahinter?

Laut Wikipedia wurde Nikolaus von Myra zwischen 270 und 286 in Patara geboren und starb am 6. Dezember (man weiß es nicht genau, die möglichen Todesjahre liegen zwischen 326 bis 365 n. Chr.). Auf jeden Fall war er in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts Bischof von Myra in Lykien (heute Demre in der Türkei), wo er auch beerdigt wurde und wo heute noch eine Nikolauskirche existiert - in der Türkei ist er als Noel Baba bekannt! Italiener brachten seine Gebeine im Jahr 1087 nach Bari - Streitfrage: haben sie die Reliquien geklaut oder vor dem Verderben bewahrt? Dort wurde für sie eine Basilika gebaut und es gibt jedes Jahr im Mai ein Nikolausfest, bei dem seine Statue zum Hafen getragen wird.

Wir haben uns am Anfang erstmal mit den mittelalterlichen Bildern des Heiligen beschäftigt:

- Ambrogio Lorenzetti, Geschichte des Hl. Nikolaus, Tafel mit der Gabe der Mitgift (s.oben), um 1330-40

Samstag, 24. November 2018

Die Brücke 1905-1914

Gerade hat im Museum Frieder Burda in Baden-Baden eine neue Ausstellung über die Künstler der "Brücke" begonnen (bis 24.3.1919). Und dazu gleich noch ein Hinweis: In der Bundeskunsthalle in Bonn wurde fast zeitgleich die Ausstellung Ernst Ludwig Kirchner - Erträumte Reisen eröffnet, die bis zum 3. März 2019 läuft.

Ernst Ludwig Kirchner, Liegender blauer
Akt mit Strohhut, 1909, Privatsammlung
(Pressebild der Ausstellung)
Diese in Deutschland sehr bekannte Künstlergruppe wurde, wie man bei Wikipedia nachlesen kann, am 7. Juni 1905 in Dresden von den vier Architekturstudenten Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff gegründet und im Mai 1913 in Berlin aufgelöst. Ihr Programm war typisch für diese Zeit des Aufbruchs, in der eine neue Kultur entstand, die das Leben und die Kunst reformieren wollte. Dementsprechend schrieben die angehenden Architekten, die sich alle zu Malern weiterentwickelten in ihr Programm:

„Mit dem Glauben an Entwicklung, an eine neue Generation der Schaffenden wie der Geniessenden rufen wir alle Jugend zusammen. Und als Jugend, die die Zukunft trägt, wollen wir uns Arm- und Lebensfreiheit verschaffen gegenüber den wohlangesessenen, älteren Kräften. Jeder gehört zu uns, der unmittelbar und unverfälscht wiedergibt, was ihn zum Schaffen drängt.“

Sonntag, 11. November 2018

Lotte Laserstein

Lotte Laserstein (1898-1993), Russisches Mädchen,
um 1928. Öl auf Holz, 32 × 23 cm. Sammlung
Linda Sutton und Roger Cooper, London. Foto: Städel
Museum © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Nachdem der Septembertermin ausgefallen ist, haben wir uns im Oktober den Bildern von Lotte Laserstein im Städelmuseum in Frankfurt zugewandt, die ich eigentlich für September geplant hatte. Die Ausstellung " Lotte Laserstein - Von Angesicht zu Angesicht" läuft vom 19.9.2018 bis zum 17.3.2019, also ist noch Zeit sie anzusehen. Übrigens sei hier gleich angemerkt, dass man sich auch, wenn man die Ausstellung nicht besuchen kann, den ausgezeichneten Audioguide kostenlos auf das eigene Smartphone laden und die Bilder gemütlich zuhause ansehen kann! Außerdem ist das Kuratoreninterview im Blog des Museums zu empfehlen.

Wie immer informiert Wikipedia über das Leben der Künstlerin (* 28. November 1898 in Preußisch Holland im ostpreußischen Oberland; † 21. Januar 1993 in Kalmar, Schweden), deren Anfangsjahre als Malerin in der Zeit der Weimarer Republik lagen und die 1937 nach Schweden emigrieren musste, weil sie als Jüdin galt.

Als erstes sahen wir uns ihr Bild
- Russisches Mädchen, um 1928
an, das den Anfang der Website der Ausstellung dominiert. Natürlich fiel der ungewöhnliche Bildausschnitt und der gespitzte Mund der Porträtierten ins Auge.