Sonntag, 21. Dezember 2025

Einhorn - Das Fabeltier in der Kunst


Website zur Ausstellung

Das Museum Barberini in Potsdam zeigt bis zum 1. Februar 2026 eine große Ausstellung über das Einhorn in der Kunst. Danach wandert die Schau vom 13. März bis 12. Juli 2026 in das Musée de Cluny in Paris, wo man dann auch die faszinierenden Bildteppiche der Dame mit dem Einhorn bewundern kann, die auch in diesem Blog schon einmal Thema gewesen sind. 

Zu sehen sind rund 150 Werke und Objekte, deren Zeitspanne vom zweiten Jahrtausend vor Christus bis in die Gegenwart reicht. Bei allen geht es um das Fabelwesen, das in unterschiedlicher Gestalt aber immer mit einem Horn auf der Stirnmitte dargestellt worden ist. Es galt im europäischen Raum als das edelste aller Fabeltiere und steht als Symbol für das Gute, aber auch für Freiheit und Unbezähmbarkeit, für Reinheit und Unschuld, für Natürlichkeit und Zuneigung. 

Um das Einhorn kennen zu lernen, haben wir uns zuerst das folgende Bild angesehen: 

- Maerten de Vos, Einhorn, 1572

und dabei festgestellt, dass dieses Einhorn einerseits Ähnlichkeit mit einem Pferd hat, der Kopf aber  an einen Ziegenbock denken lässt, während der Schwanz am ehesten dem, allerdings verlängerten, Ringelschwanz eines Schweines gleicht. Und dieses Einhorn von Maerten de Vos lebt ganz offensichtlich in der fernen Welt Afrikas. Es wird von schwarzen und kaum bekleideten Menschen, die in Baumhäusern wohnen, mit Pfeil und Bogen gejagt; eine Jagdmethode die zur Zeit des Malers in Europa schon lange überholt war. 

Montag, 1. Dezember 2025

John Singer Sargent - Éblouir Paris (Paris verzaubern)

John Singer Sargent, Portrait of Madame X (Madame Pierre Gautreau),
 1884,Metropolitan Museum of Art, Quelle
 Bis zum 11. Januar 2026 ist in Paris noch die Ausstellung "John Singer Sargent. Éblouir Paris" im Musee Orsay zu sehen, die vorher im Metropolitan Museum of Art in New York gezeigt wurde. (Wer gern Französisch hört, kann hier einen Audioguide zur Ausstellung abrufen. Einen guten Überblick über die Werke, die in der Ausstellung gezeigt werden, sowie einen englischen Audioguide findet man auf den Seiten des Metropolitan Museums. Man muss in der oberen Zeile den Audioguide anklicken.) 

Wir haben uns zuerst mit dem Maler bekannt gemacht: John Singer Sargent (12. Januar 1856 in Florenz -  14. April 1925 in London) galt als der bedeutendste US-amerikanische Porträt-Maler seiner Zeit. Zu seinen Kunden gehörten Angehörige der Oberschicht, überwiegend in Europa, auch in den Vereinigten Staaten von Amerika. Berühmtheit erlangten auch seine Genreszenen, die Wandmalereien für drei Institutionen in Boston und Umgebung sowie das Kriegsgemälde "Gassed" aus dem Jahre 1919. Er zog 1874 nach Paris, wo er sechzehn Jahre lang lebte und in dem berühmtem Pariser Salon ausstellte. 

Beim Vergleich seines 

- fotografischen Porträts (1903)  

mit seinem wenig späteren 

- Selbstbildnis, 1906  

fiel uns auf, wie selbstbewusst der Maler sich inszeniert hat, indem er mit ernstem und unbewegtem Gesicht leicht auf uns als Betrachterinnen herunterblickt.   

Eines seiner ersten großen Bilder, das er auch im Salon ausstellte, war das Werk 

En route pour la pêche, (Unterwegs zum Fisch) 1878

Der Maler hat im Sommer 1877 mehr als zehn Wochen in Cancale an der Küste der Bretagne verbracht. Wir sahen Frauen und Kinder, die zum Meer gehen um dort Muscheln einzusammeln. Und es sieht aus, als ob Singer Sargent mit seiner Staffelei am Meer gesessen hat und mit schnellem Pinselstrich abbildete, was er sah. Aber der Maler hat das Bild zweimal gemalt:

Fishing for Oysters at Cancale (Austerfischen in Canacale) 1878

Donnerstag, 23. Oktober 2025

Radical Harmony: Helene Kröller-Müller's Neo-Impressionists

Ausschnitt aus der Website der National Gallery mit Ankündigung der Ausstellung 

Die Londoner Nationalgalerie zeigt unter dem Titel "Radical Harmony" bis zum 8. Februar 2026 Bilder von Neo-Impressionisten die im Helene Kröller-Müller-Museum in Otterlo in den Niederlanden bewahrt werden. 

Helene Müller und Anton Kröller, um 1888 (Quelle)
Helene Kröller-Müller (1869 - 1939) war eine der ersten großen Kunstmäzeninnen des zwanzigsten Jahrhunderts. Sie wurde in Deutschland als Tochter eines Stahlindustriellen geboren. Mit zweiundzwanzig Jahren heiratete sie Anton Kröller (1862–1941). Sein Vater war Teilhaber in der Firma ihres Vaters und leitete das Rotterdamer Büro. Das junge Paar zog nach Den Haag, wo sie ab 1907 sie bei Hendricus Petrus Bremmer, einem renommierten Kunsthistoriker, Unterricht nahm. Er wurde ihr wichtigster Berater in Sachen Kunst und gab auch wesentliche Impulse beim Aufbau ihrer Sammlung. 1909 kaufte sie drei Werke van Goghs an. Von da ab bis zur ihrem Lebensende sammelte das "umfassendste Ensemble neo-impressionistischer Gemälde der Welt". Sie kaufte Bilder bei Händlern in den Niederlanden, Belgien, Deutschland und Frankreich, und auch direkt in den Ateliers der Künstler, wie zum Beispiel bei Paul Signac. 1928 errichtete sie gemeinsam mit ihrem Ehemann die Kröller-Müller-Stiftung, der anschließend die gesamte Kunstsammlung übertragen wurde. 1938 wurde in Otterlo bei Arnhem das Kröller-Müller Museum durch den niederländischen Staat und die Stiftung De Hoge Veluwe erbaut.

Das erste Bild unserer Stunde war eines der drei Bilder von Van Gogh, die Helene Kröller-Müller 1909 kaufte, also zu einem Zeitpunkt als sich kaum jemand für seine Werke interessierte:

- Vincent van Gogh, Stillleben mit Flasche und Zitrone, 1888 (hier eine zweite Abbildung mit weniger kräftigen Farben)

Samstag, 4. Oktober 2025

European Realities

Leider ist die Ausstellung "European Realities" im Museum Gunzenhauser in der diesjährigen Kulturhauptstadt Chemnitz schon am 10. August zuende gegangen. Das heißt aber nicht, dass man die Bilder nicht noch im Netz finden könnte. Da wir schon einmal vor nicht allzu langer Zeit die Neue Sachlichkeit in Deutschland als Kunstströmung thematisiert haben, war es besonders interessant in der Chemnitzer Ausstellung die Realismusbewegungen der 1920er und 1930er Jahre noch einmal im größeren Rahmen der europäischen Kunst zu betrachten. 

Die Bilder der Ausstellung erzählen von Armut und Elend, vom wirtschaftlichen Aufschwung und von kultureller Blüte, von wissenschaftlichem und technischem Fortschritt, von Großstadt und Nachtleben, Emanzipation und Diversität. Ihre Themengebiete sind: Künstler:innen im Selbstporträt; Großstadt und Nachtleben; Menschenbilder; Emanzipation und die Neue Frau; Neue Stillleben; Sport und Körperkultur; Arbeit in Industrie und Wissenschaft; Armut und Verfall.

Nach dem Ersten Weltkrieg konnten Frauen in Deutschland erstmals offiziell an den Akademien Kunst studieren. Die neuen Künstlerinnen inszenierten sich in ihren Selbstbildnissen gern selbstbewusst mit Kurzhaarschnitt als "Neue Frau". Betrachtet haben wir 

-    Kate Diehn-Bitt, Selbstbildnis als Malerin, 1935.   

Sonntag, 10. August 2025

"L'art est dans la rue" - Das goldene Zeitalter der Plakatkunst

Screenshot der Ausstellunsseite des Musée d'Orsay
Vom 18. März bis zum 6. Juli lief im Pariser Musée d‘ Orsay die Ausstellung "L'art est dans la rue", die einen Einblick in das goldene Zeitalter der illustrierten Plakate gab. Gezeigt wurden Werke aus der Bibliothèque Nationale de France, die eine riesige Plakatsammlung besitzt.

Wir haben uns zuerst eine Reihe von Überblicksfotos der Ausstellungsräume angeschaut, auf denen man neben den Plakaten u. a. auch eine Presse zur Herstellung von Lithografien und verschiedene Plakatständer entdecken kann. Die am Ende des 18. Jahrhunderts erfundene Lithografie war im 19. Jahrhundert das Druckverfahren, das die industrielle Fertigung von Drucksachen und damit auch von riesigen Plakaten zu günstigen Preisen ermöglichte. Wer mehr darüber erfahren will sei auf das Stichwort bei Wikipedia verwiesen.  

Dienstag, 10. Juni 2025

Flämische Feste des 16. und 17. Jahrhunderts

In Lille, der Kulturhauptstadt des Jahres 2004, wird bis zum 1. September im  Palais des Beaux-Arts die Ausstellung "Fetes et celebrations flamande, Brueghel, Rubens, Jordaens" (Flämische Feste des 16. und 17. Jahrhunderts, Brueghel, Rubens, Jordaens) gezeigt. 

Jacob Jordaens, Der König trinkt (Quelle )

Im Begleittext heißt es dazu, dass Feste mehreren Zwecken dienen: Sie schaffen ein Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft bzw. erhalten es aufrecht, sind also soziale Rituale, aber sie können auch ein Zeitpunkt sein, an dem Spannungen in der Gemeinschaft abgebaut werden und positive Erlebnisse das Leben leichter machen. Feste unterbrechen nicht nur die Monotonie der Arbeit, sondern helfen auch dabei, den Ansturm von Unglück und Krankheit zu ertragen, von dem die Menschen in dieser Zeit immer wieder schwer heimgesucht wurden. 

Montag, 14. April 2025

MAMA. Von Maria bis Merkel

Goldene Madonna (Quelle von Tuxyso Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0)
Noch bis zum 3. August 2025 ist diese Ausstellung, die das Thema "Mutter" von ganz verschiedenen Seiten beleuchten will, im Kunstpalast in Düsseldorf zu sehen. Im Pressetext heißt es, dass sie sich in acht Kapiteln mit den vielseitigen Aspekten von Mutterschaft beschäftigt, die von der Idee der "Guten Mutter" über Care-Arbeit bis hin zu Familienkonstellationen reichen. Gezeigt werden soll, dass "die Mutterrolle schnell in verschiedene, sehr individuelle Perspektiven zerfällt, die jedoch in der Kulturgeschichte tief verbunden sind." Die Kapitel sind - für meinen Geschmack relativ willkürlich - betitelt mit "Gute Mutter", "Rat oder Regel" - dabei geht es um Ratgeberbücher also nicht um Kunst, "Care-Arbeit" - also auf Deutsch um Kinderbetreuung und Haushaltsarbeit, "Orte der Mutterschaft", die "Entscheidung (k)ein Kind zu bekommen", "Nähe" - also die Beziehung zwischen Mutter und Kind, die meiner Ansicht nach allerdings auch in Ferne bestehen kann, den Begriff "mutterseelenallein" und um "Familienkonstellationen".

Die Rolle der "Guten Mutter" wird in der Ausstellung verbildlicht an einer ganzen Wand voller Marienfiguren vom 14. bis 18. Jahrhundert. Wieweit vor Ort thematisiert wird, dass Maria als "reine", also asexuelle Frau und Mutter des Gottessohnes, verehrt wurde, ist für mich aus den im Internet verfügbaren Informationen nicht ganz ersichtlich. Immerhin hat die Gottesmutter Jahrhunderte lang eine wichtige und teilweise noch heute eine sehr zwiespältige Rolle als Vorbild gehabt, an dem jede Frau und ihr Verhalten gemessen wurde. Im Pressetext heißt es dazu, dass es um die gesellschaftlichen Erwartungen an Mütter geht, und dass Maria als "wahrscheinlich prominenteste Mutter des christlichen Kulturraums ein Sinnbild für absolute mütterliche Hingabe (bildet). Das Stereotyp der „guten“ Mutter verfestigte sich im 18. Jahrhundert und ist immer noch verbreitet." Weiter wird ausgeführt, dass Mutterschaft ein Maßstab ist, an dem die Leistung einer Frau gemessen wird - selbst, wenn sie keine Mutter ist. Als Beispiel werden Angela Merkel mit ihrem Spitznamen „Mutti“ und Mutter Theresa genannt. Zusammen ergeben sie ein Titelbild des Magazins "Der Spiegel", auf dem Frau Merkel im typischen Habit der bekannten Nonne zu sehen ist. 

Natürlich konnten wir nur einen kleinen Ausschnitt der Werke betrachten und auch nicht alle acht Kapitel behandeln, die ja auch nicht ausschließlich der Kunst gewidmet sind.