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Donnerstag, 17. Dezember 2020

Edward Munch - Das experimentierende Selbst

Immer mehr Museen bereiten in dieser Zeit der Pandemie ihre Inhalte und ihre Ausstellungen online auf und so kann man sich immer besser von zuhause aus in der Welt der Museen und Ausstellungen umsehen. 

Munch, Abend/Melancholie (Quelle)
Die Kunstsurfer*innen waren diesmal im Munch-Museum in Olso, das in einer Online-Ausstellung den Beziehungen zwischen dem Amateurfotografen Edward Munch und seinem malerischen Werk nachgeht. 

In der Einführung (auf norwegisch und englisch) ist zu lesen, dass der Maler 1902 mit dem Fotografieren begann, Monate bevor er und seine Geliebte Tulla Larsen eine mehrjährige Beziehung mit einem Pistolenschuss beendeten. Dabei wurde einer seiner Finger verstümmelt! Dieses Ereignis und eine sich beschleunigende Karriere lösten eine Phase zunehmender emotionaler Turbulenzen aus, die in einer Ruhekur in der privaten Kopenhagener Klinik von Dr. Daniel Jacobson in den Jahren 1908–09 kulminierte. Erst nach einer Pause von fast zwei Jahrzehnten nahm Munch 1927 die Kamera wieder auf. Diese zweite Periode dauerte bis Mitte der 1930er Jahre und verlief parallel zu triumphalen retrospektiven Ausstellungen in Berlin und Oslo, aber auch zu einer Blutung im rechten Auge, die seine Sehkraft vorübergehend beeinträchtigte. 

Im Gegensatz zu seinen Drucken und Gemälden hat Munch seine winzigen, kopierten Fotos nicht ausgestellt. Dennoch schrieb er 1930: „Ich habe eine alte Kamera, mit der ich unzählige Bilder von mir selbst gemacht habe, oft mit erstaunlichen Ergebnissen… Eines Tages, wenn ich alt bin und nichts Besseres zu tun habe, als meine Autobiografie zu schreiben, werden meine ganzen Selbst-Porträts wieder das Licht der Welt erblicken."

Dienstag, 3. Juli 2018

Jeff Wall - Appearance

Website zur Ausstellung in der kuma (Screenshot)
Zur Einweihung des neuen - und anscheinend nicht unumstrittenen - Gebäudes der Mannheimer Kunsthalle sind vom 02.06.18 bis 09.09.2018 die Fotografien des Kanadiers Jeff Wall in der Ausstellung mit dem Titel APPEARANCE ausgestellt.

Appearance bezeichnet übrigens sowohl das Aussehen und die Erscheinung von Gegenständen, Handlungen, Phänomenen und Personen, als auch den Prozess, vermittels dessen sie sich durch das Bild dem Blick darbieten und in Erscheinung treten!

Die Ausstellung ist in enger Zusammenarbeit zwischen der Kunsthalle Mannheim und dem Mudam Luxembourg – Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean - entstanden und zeigt etwa dreißig großformatige Fotografien von Jeff Wall und damit einen Überblick über sein Oeuvre seit Ende der Siebzigerjahre. Sein Markenzeichen sind großformatige Dialeuchtkästen. Seine Bilder sind  stets sorgfältig komponiert und der studierte Kunsthistoriker zieht gern vielseitige Verbindungen zu berühmten Werken von Künstlern wie Eugène Delacroix oder Edouard Manet. Die Ausstellungsmacher schreiben, dass ihre Auswahl um den Begriff des Rätsels kreist und damit um einen Wesenszug, der Walls gesamtes fotografisches Schaffen durchzieht. Das Rätsel findet sich zum Beispiel in der Art, wie die Figur ins Auge gefasst wird – eine zentrale Angelegenheit seinem Werk

Wir haben gleich mit dem Werk angefangen, in dem Walls zum ersten Mal ein Foto dadurch sozusagen "verewigt" hat, dass er es aus Glas (Plexiglas?) gebracht und von hinten beleuchtet hat. 

- The Destroyed Room, 1978 (Achtung: Bitte auf dieser Seite zum zweiten Bild von oben herunterscrollen!)

Dienstag, 29. September 2015

Die Botticelli Renaissance in Berlin

Sandro Botticelli, Die Geburt der Venus, um 1480  (Quelle)
Vor kurzem wurde in der Berliner Gemäldegalerie im Kulturforum die Ausstellung "The Botticelli Renaissance" eröffnet, die bis zum 24. Januar 2016 läuft und danach vom 5. März bis zum 3. Juli 2016 im Londoner Victoria and Albert Museum unter dem besseren Titel "Botticelli reimagined" zu sehen sein wird.

Der englische Titel scheint mir übrigens angemessener, weil es in dieser Ausstellung nicht um eine Renaissance also eine Wiedergeburt geht, sondern um das "Wieder-Ausmalen" des Themas, wie man den Begriff vielleicht übersetzen könnte.

Angesehen haben wir uns eigentlich nur ein Bild, das allerdings in extrem unterschiedlichen Variationen; nämlich die "Geburt der Venus",

Dienstag, 13. Mai 2014

Kunstsurfen im Seniorenratgeber

Demnächst wird "Kunstsurfen" deutschlandweit bekannt! Ob das nun gut ist oder doch nicht so gut, kann ich noch gar nicht einschätzen.

Der Seniorenratgeber (Auflage von rund 1,8 Millionen) ist auf die Preisverleihung des Wettbewerbs "Wir zeigen es euch" im letzten Jahr aufmerksam geworden. So wurde ich gefragt, ob man darüber und über meine werte Person etwas in der kleinen Rubrik "Mein Anfang" berichten dürfe. Ich war geschmeichelt, obwohl das Kunstsurfen natürlich nicht so richtig als "Mein Anfang" anzusehen ist. Aber das kriegt der Redakteur sicher schon hin. Er hat mich telefonisch interviewt und am letzten Freitag war Fototermin in der Hamburger Kunsthalle.

Fotograf Ronald Frommann in Aktion in der
Kunsthalle Hamburg neben einem Werk von
Wilhem Lehmbruck (1881 – 1919)
(Foto Leisner)
Die Zeitschrift will selbstverständlich ein aussagekräftiges Foto. Dafür hat sie den Profifotograf Ronald Frommann verpflichtet. Natürlich kann so ein Foto nicht viel mit dem Kunstsurfen zu tun haben. Kann man schlecht optisch vermarkten, wenn da Senioren überall in Deutschland am Computer sitzen ;-). Also soll ich vor Kunst erscheinen. Die Kunsthalle hat uns freundlicherweise erlaubt in ihren Räumen zu fotografieren. Die Bilder und Plastiken im Hintergrund dürfen natürlich keinem Urheberrecht mehr unterliegen. Also: Ich vor einer Plastik von Wilhelm Lehmbruck - nein, nicht die auf diesem Bild sondern die daneben; weil, vielleicht ist die Nackte zu nackt für den Seniorenratgeber? Sind heutige Senioren so "geschamig"? Es folgte eine lebhafte Diskussion mit einer netten Besucherin, die dazu noch ein paar Styling-Tipps gibt.

Oder vielleicht doch lieber noch ein Foto vor dem Friedhofsbild "Glaubenstrost im Schmerz" von Segantini, das im Nachbarraum mein Lieblingsbild ist? Zum Glück steht dort eine Bank und ich kann mich hinsetzen, während Herr Frommann seine Geräte neu ausrichtet - Stative mit Lichtquellen, Stativ mit Fotoapparat, Fototaschen, Stativhüllen, Koffer!

Gegenüber hängt der riesige Historien"schinken" von Hans Makart "Einzug Kaiser Karls V. in Antwerpen". Das interessanteste Foto entstand davor. Es vermischt drei Bildebenen: das Gemälde von Makart, vor den gemalten Frauen meine reale weibliche Gestalt und vor meinem Kopf mein virtuell aufgezeichnetes Gesicht auf dem iPad. Mir gefällt die Idee auf diese Weise Vergangenheit, Gegenwart und zukünftige Vergangenheit zu visulasieren!

Jetzt bin ich erst einmal gespannt, welches Bild von den vielen Aufnahmen, die am Freitag gemacht worden sind, für den Seniorenratgeber ausgesucht wird.

Mittwoch, 15. Januar 2014

Surrealisten vor dem Surrealismus

Die Austellung Surrealists before Surrealism: Fantasy and the fantastic in prints, drawings and photography October 4, 2013 – January 12, 2014 ist gerade in Madrid zu Ende gegangen.

Wikipedia bietet sich immer an um zu erfahren, was mit dem Surrealismus gemeint ist. In Kurzform war es eine literarische und künstlerische Bewegung ab 1920 in Paris, die das Unwirkliche und Traumhafte sowie die Tiefen des Unbewussten erforschen wollte und damit das Phantastische und Absurde bewusst und mit voller Absicht in Literatur und Kunst einführte.

Die Ausstellungsseite zeigt einige Beispiel, denen wir uns eine Auswahl näher angeschaut haben. Als erstes das Bild „Ohne Titel“ 1937 von Pierre Jahan, einem berühmten Fotografen des 20. Jahrhundert. Auf dieser Seite kann man weitere surrealistische Fotos von ihm sehen und mehr über ihn erfahren. Hand, Flügel, Sand und eine ovale Abschattierung des Bildes fielen uns auf. Fragen waren, ob das Bild wie eine Collage zusammengesetzt ist, ob die Hand menschlich oder von einer Puppe stammt, was für Assoziationen das Bild erweckt.

Intensiver und länger aber hat uns das Bild "Einsamer Großstädter" (1932, Slg. Dietmar Siegert) von Herbert Bayer beschäftigt. Es geing um die Schichten des Bildes: Hintergrund - alter Innenhof eine mehrstöckigen Mietshauses mit leeren Fenstern; davor die beiden abgschnittenen, parallel erhobenen männlichen Hände mit ihren Schatten (das männlich changierte zwischen dem klaren Hinweis über die Anzugärmel und Manschetten des Hemdes und den zarten, eher weiblich wirkenden Handformen); in den Händen die beiden Augen, die einige von uns an die Wundmale Christi erinnerten. Beim näheren Hinschauen zwei unterschiedliche Augenfarben und dadurch das Gefühl eines durchdringenden Blickes. Und noch der Hinweis auf die Augen als die Fenster zur Seele des Menschen, auf das Hinein- und Hinausschauen, das Fenster und Augen ermöglichen.

Albrecht Dürer, Melencolia I, 1514 (Bildquelle)
Laut Wikipedia erzielte dieses Bild im Dezember 2012 bei einer Versteigerung des Auktionshauses Sotheby's den Rekordpreis von $1.482.500 Dollar und ist damit eine der teuersten klassischen Fotografien weltweit.